Chronik | Oberösterreich
24.12.2017

Von Unterhimmel bis Christkindl

Wo das Christkind wohnt, ist der Himmel nicht weit. Beides liegt in Steyr nahe beieinander.

Dem Steyr-Fluss auf dem Wehrgraben folgend, gelangt man nach Unterhimmel. Der Parkplatz an der "Schwarzen Brücke" ist der Ausgangspunkt für eine geradezu himmlische Rundwanderung. Das Landschaftsschutzgebiet "Unterhimmel" führt durch die Au des Steyr flusses und des Himmlitzer Baches mit ihren Teichen, Schotterbänken und seltenen Pflanzen. Auf dem Steg der Kruglbrücke meditieren – herbstlich entspannt – einige Möwen. Immer wieder richtet sich der Blick auf die nahe Anhöhe mit der Wallfahrtskirche Christkindl.

Der Weg führt über die Trasse der historischen Steyrtal-Bahn bis zum idyllisch gelegenen Schloss Rosenegg. Der Herrensitz aus dem 12. Jahrhundert wurde in der Renaissancezeit zum Schloss ausgebaut. Die amerikanischen Eigentümer – Nachkommen der Familie Werndl – sind in der kalten Jahreszeit nicht anwesend. Wer Glück hat, kann im Sommer Gast einer erlesenen Kulturveranstaltung im romantischen Schloss sein.

Schließlich wird auf der Christkindlstraße, die hier gleichzeitig Teil des Mariazellerwegs ist, der Christkindlwirt erreicht. Georg Baumgartner, bereits in vierter Generation als Wirt hier tätig, erzählt: "Seit 65 Jahren ist in unserem Gasthof das Christkindl-Postamt untergebracht. Jeden Dezember werden von zwölf Post-Angestellten mehr als zwei Millionen Briefe an das Christkind beantwortet."

Die Geschichte der nahen barocken Wallfahrtskirche geht auf das Jahr 1695 zurück. Der schwerkranke Ferdinand Sertl stellte ein kleines Jesuskind aus Wachs in eine Fichte und betete für seine Heilung. Nach seiner Genesung kamen zahlreiche Pilger "zum Christkindl unterm Himmel". Carlo Carlone und Jakob Prandtauer schufen schließlich wenige Jahre später ein barockes Kirchenjuwel. In der Mitte des Hochaltares ist noch der originale Baumstamm zu sehen. Als Himmel wurde damals allerdings eine waldfreie Höhenlage bezeichnet. Das darunterliegende Gebiet am Fluss erhielt, wohl davon abgeleitet, den treffenden Namen Unterhimmel.

Dorthin führt jetzt die Engelsstiege auch wieder zurück. Vorbei an steilen Konglomeratfelsen geht es hinunter zur Steyr. Dort erinnert der "Drahtzug", ein von Josef Werndl errichtetes Fabriksgebäude für die Erzeugung von Nägeln, an die industrielle Vergangenheit. Heute hallt kein Industrielärm mehr, ein Kaffeehaus lädt zur besinnlichen Rast zum Abschluss der zweistündigen Rundwanderung ein.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur