Von Gottschalk und Jauch beeinflusst

Wurde schon als Kind vom Radiovirus infiziert: Florian Novak, Geschäftsführer von Lounge FM
Foto: Erich Petschenig

Florian Novak (36) ist Geschäftsführer des Radiosenders Lounge FM. Bereits mit 23 war er bei einer Wiener Station beteiligt.

Lounge FM mit Sitz in Wien und Linz schlägt sanfte Töne an. Die Musik, die der Sender über den Äther schickt, soll vor allem eines: seine Hörer entspannen. Sie reicht von Elektronik bis Smooth Jazz. Geschäftsführer Florian Novak - er stammt aus St. Martin im Innkreis - kann sich nicht über mangelnden Erfolg beklagen.
Ab morgen, Montag, wird Lounge FM auch im ersten deutschlandweiten Radioprogramm, dem Digitalradio DAB+, vertreten sein.
Vom Radio-Virus wurde der 36-jährige Novak bereits in seiner Kindheit infiziert. Die Innviertler hörten in den 1980ern lieber Bayern 3 als Ö3. "Thomas Gottschalk mit seiner Sendung um 14 Uhr und Günther Jauch um 16 Uhr haben mich sehr geprägt", erzählt Novak.
Auch sonst war er von den Medien fasziniert. In seiner Zeit am Gymnasium Ried gründete er eine Schülerzeitung. Nach der Matura entschloss er sich für ein Jusstudium Wien, wobei er nie Anwalt oder Richter werden wollte. "Ich habe mir eine solide Ausbildung für die Medienwelt erwartet, wollte Innenpolitik-Journalist werden." Neben dem Studium arbeitete er bei mehreren Tageszeitungen und Nachrichtenagenturen.
1997 wurden dann Lizenzen für Privatradio-Stationen ausgeschrieben. Eine spannende Zeit für den angehenden Juristen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte einige Jahre zuvor die Republik Österreich verurteilt, weil das Rundfunk-Monopol gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoße.

Konzept

Novak bewarb sich mit einem Radio für Studenten, wobei es mit einem Internetauftritt kombiniert werden sollte - was zu dieser Zeit eher selten vorkam.
Sein Konzept sorgte bei der Rundfunkbehörde für Aufsehen. Kurz darauf startete er den Sender Energy gemeinsam mit dem französischen Medienunternehmen NRJ. Bereits in jungen Jahren beteiligte er sich mit vier Prozent als Gesellschafter. "Mit 23, wo andere ein Volontariat absolvieren, habe ich im Business-Anzug an Treffen mit den Gesellschaftern teilgenommen."
Der Radiosender wurde innerhalb kürzester Zeit Marktführer bei den Privaten in der Hauptstadt. Zudem habe Novak der rechtliche Aspekt fasziniert. "Ich habe mir immer gedacht, dass ich hier das Recht auf Meinungsfreiheit und Medienvielfalt ausübe."

Verkauf

Mit dem nahenden Studienende verkaufte Novak drei Prozent seines Anteils. "Ich wollte ein Radioprogramm bieten, das nicht nervt." Letztendlich bemerkte er, dass er die Musik im Radio hören wollte, auf die er selbst steht und die ansonsten nicht über den Äther der heimischen Sendeanstalten geht. "Das war eine völlig neue Idee. Inspiriert haben uns dabei die sogenannten Easy-Listening-Sender aus den USA, die allerdings mehr Jazz spielen."
Mit der Idee bewarb er sich 2003 für eine Radiolizenz in Linz, wobei er sich damit zunächst noch nicht durchsetzen konnte.
Erfolg Dann ging es aber Schlag auf Schlag: Ein Mobilfunkbetreiber engagierte 2005 den Sender für das weltweit erste UMTS-Handyradio, drei Jahre später sendete die Radiostation im Zentralraum und in Gmunden, seit heuer gibt es sie auch in Klagenfurt. In Wien bespielt der Sender immer wieder sogenannte "Event-Frequenzen", die zeitlich befristet eingerichtet werden.
"Ich war sehr ausdauernd. Wenn man einen Radiosender gründen will, soll man sich sechs Jahre nichts anderes vornehmen", berichtet Novak.
Eine Eigenschaft, die man als Geschäftsführer mitbringen soll, sei vor allem immer neugierig und offen für Neues zu sein. "Ich glaube, man muss immer unter den Ersten sein, die etwas wissen. Davon profitiert man enorm." Weiters sei es wichtig, beim Netzwerken die richtigen Leute zusammenzubringen.
Eine klare Vision hat der Vater einer Tochter, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin in Wien lebt, mit seiner Station in Österreich vor Augen: In jeder Landeshauptstadt sollen die Bewohner Lounge FM empfangen können.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?