Gertraud Koblmüller bringt die Tanzorgel zum Spielen

© Josef Leitner

Chronik | Oberösterreich
06/16/2019

Von der Tanzorgel zum Tanzboden

Haslach. Besuch im Museum Mechanische Klangfabrik. Anschließend sind auf dem 12 km langen Tanzbodenrundweg unterwegs.

In der Mühlviertler Gemeinde Haslach erwartet den Besucher das nach Meinung von Kennern interessanteste Museum von Oberösterreich. Marianne Kneidinger ist gewissermaßen die „gute Seele“ der Tourismusaktivitäten und gibt uns eine erste Information über die „Mechanische Klangfabrik“: „Hier finden sich 160 Exponate aus der Sammlung des ehemaligen Haslacher Webereibesitzers Erwin Rechberger. Der begeisterte Musiker hat diese mechanischen Musikinstrumente in jahrzehntelanger Sammlertätigkeit aus ganz Europa zusammengetragen. Vor allem im 18. Jahrhundert erfreuten sie sich in Tanzetablissements, Restaurants, auf Schiffen, auf Kirtagen, im Wirtshaus oder im Salon und Wohnzimmer großer Beliebtheit.“

 

Drehleiern

Auch wir als Musikinteressierte lassen uns beim Rundgang von der nostalgischen Welt von gestern verzaubern. Museumsführerin Gertraud Koblmüller führt uns zu zierlichen Glockenuhren, schnarrenden Drehleiern, liebevoll gestalteten Drehorgeln und originellen Rückenklavieren. Besonders beeindruckt uns eine Jugendstil-Tanzorgel aus dem Jahr 1925. Eine pneumatische Steuerung liest die auf einer Lochkarte gespeicherte Musik ab und bringt dadurch Klavier, Akkordeon, Schlagzeug, Orgelpfeifen und Tamburin zum Klingen. Ein ganzes Orchester tönt aus der kunstvoll verarbeiteten Klangmaschine.

Spielwerk aus 1880

Ganz anders, nämlich mit einer runden Lochplatte aus Stahl mit darin eingestanzten Haken, funktioniert das in Leipzig erzeugte Spielwerk „Monopol“ aus dem Jahr 1880. Der Vorteil bestand darin, dass diese Platten ausgetauscht werden konnten und die Musikliebhaber eine Plattensammlung anschaffen konnten. Eine klingende technische Wunderwelt, die so etwas wie die Künstliche Intelligenz früherer Zeit war. Erst die Verbreitung des Radios entzog den mechanischen Musikautomaten ihre Existenzberechtigung.

 

So verlassen wir beschwingt die Tanzorgel und begeben uns auf den Tanzbodenweg. Der 12 km lange Rundweg führt uns entlang eines munter fließenden Kanals in die Ortschaft Haid. Hier genießen wir die prächtigen Ausblicke in die vielfältig gegliederte Landschaft. Eine längere Rast legen wir bei der Heilig-Wasser-Kapelle ein. Sie stammt aus dem Jahr 1470. Der Legende nach sollen die Passanten früherer Zeit hier immer Stimmen und Gesang gehört haben, die erst verstummten, nachdem eine Kapelle errichtet worden war. Kriegsgefangene Belgier und Franzosen haben diese aus Dankbarkeit für die überstandene Kriegsgefangenschaft in der Nachkriegszeit restauriert.

Brunnen

Neben der Kapelle wurde aus groben, unbehauenen Steinen ein Brunnen errichtet, aus dem heilkräftiges Wasser strömt. Wir legen eine Wanderpause ein, um uns an der köstlich kühlen Quelle zu laben. Mehrmals passieren wir Fischzuchtteiche, die das reine Wasser dieser Region nutzen. Die Fische genießen sichtlich ihr kühles Dauerbad.

Eckartsberg 752 Meter hoch

Nach der Ortschaft Hörleinsödt überqueren wir den tief unten liegenden Lanitzbach und steigen anschließend auf eine Hochebene, die uns freie Sicht auf die Mühlviertler Landschaft beschert. Nur wenige Meter sind wir hier von der Grenze nach Tschechien entfernt. Naturbelassene, blumenübersäte Wiesen machen das Wandererlebnis zu einem Vollgenuss. So gelangen wir schließlich zum Tanzboden, einem Hügel, der mit dem 752 m hohen Eckartsberg der Hausberg von Haslach ist.

Autor: Josef Leitner