Chronik | Oberösterreich
17.12.2017

Vom Räuchern in dunklen Nächten

Vielfältige Bräuche bringen das Sehnen nach Gesundheit und Glück im neuen Jahr zum Ausdruck.

Seit mehreren tausend Jahren werden je nach regionalen Unterschieden verschiedene Brauchtümer während der Rau(h)nächte zwischen 21. Dezember und 5./6. Jänner gelebt.

"In Oberösterreich findet klassisches gelebtes Brauchtum vor allem am Heiligen Abend, in der Silvesternacht und in der Nacht von 5. auf 6. Jänner statt", sagt der Volkskundler Alexander Jalkotzy im Gespräch mit dem KURIER.

Die Thomasnacht vom 21. auf den 22. Dezember sei diesbezüglich über die Jahre etwas in den Hintergrund geraten. Oft sprechen Menschen auch von zwölf Rau(h)nächten. Das habe mit der vielfältigen Symbolik der Zahl zwölf zu tun. "Das Sehnen nach Gesundheit und Glück im neuen Jahr spielt in diesen mystischen Brauchtümern eine große Rolle." "Typisch sind hierzulande Orakelbräuche wie das Räuchern gehen in den Häusern und Ställen und das Bleigießen."

Lichtbringer

Die Namensgebung mit und ohne "h" hat ihren Ursprung in der Bedeutung der Rau(h)nächte. Vielfach besteht die Ansicht, der Name komme von den rauen Nächten während der dunkelsten Zeit im Jahr, in der die Ängste der Menschen gewachsen sind. Als Reaktion darauf entwickelten sich Brauchtümer, um diesen Ängsten zu begegnen und sie zu vertreiben, zum Beispiel die Perchten aus der alpinen Tiroler Gegend. Die Glöckler tragen Lichter und wecken den neuen Frühling. "Sie haben sich allerdings erst im Laufe der Zeit als Schönperchten in die Brauchtümer der Raunächte eingereiht.", sagt Jalkotzy. "Die Glöckler sind aus der Situation der Salzarbeiter im Salzkammergut entstanden, um den Menschen Mut zu machen, dass es schon wieder heller wird."

Von Rauhnächten und dem Räuchern erzählt Christine Dittlbacher im Gespräch mit dem KURIER. Sie ist Räucherkundige und hat Erfahrungen in den unterschiedlichen Traditionen des Räucherns seit ihrer frühesten Kindheit.

"Geräuchert wird seit jeher aus den verschiedensten Gründen", sagt Dittlbacher. Einerseits habe der Rauch verschiedener Pflanzen wie der Wacholderrauch eine keimtötende, reinigende Wirkung. "Andererseits wurde der Rauch dazu angewendet, um einen besseren Geruch bei Kleidung und in Wohnräumen zu erlangen." In der Antike sei das Räuchern als Huldigung der Götter verwendet worden. Der Rauch sei gewissermaßen die Nahrung der Götter gewesen. Den Aspekt, dass der Rauch symbolisch die Gebete zu Gott tragen, kennt man bis heute. Auch für die Ahnen ist laut Dittlbacher schon immer geräuchert worden. "Entweder, um mit ihnen in Kontakt zu treten oder, um ihnen gute Wünsche in ihre Welt zu schicken. Einige Kräuter erleichtern im Übrigen durch ihren Rauch den Eintritt in andere Wahrnehmungszustände."

Meist stehe in den Rau(h)nächten auch die Gemeinschaft und das dadurch entstehende Gefühl von Wärme und Geborgenheit im Mittelpunkt. "Nicht selten enden sie im gemeinschaftlichen Essen", meint Dittlbacher.

Die Rau(h)nächte sind laut Dittlbacher eine Zeit der Wandlung, eine Art Zwischenzeit zwischen Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. "Deshalb ist es bis heute üblich, Rituale zur Vorbereitung auf diese besondere Zeit im Jahr zu pflegen." Man soll geliehene Sachen zurück bringen, Schulden begleichen, offene Rechnungen bezahlen, alte Angelegenheiten klären. Weit verbreitet sprechen Menschen über Jahresrückblicke. Außerdem soll man sich bei den Menschen bedanken, die einen unterstützt haben. "Auch der Weihnachtsputz geht auf die Ursprünge der Rau(h)nächte zurück", sagt Dittlbacher. Und die Menschen würden vermehrt in Kontakt mit der Natur treten und Tiere füttern, die im Winter weniger Nahrung finden.

Kräuter und Harze

"Beim Räuchern werden ganz unterschiedliche Kräuter, Harze und Hölzer verbrannt. Früher war es üblich, das zu verwenden, was man gefunden hat, je nach gewünschter Wirkung des Rauches", sagt sie. Heute gebe es zusätzlich viele Möglichkeiten Kräuter aus anderen Ländern zu bekommen, die hierzulande nicht wachsen. "In der Kirche wird zum Beispiel je nach Anlass eine andere Weihrauchsorte verwendet."

Dittlbacher empfiehlt, sich bereits während des Jahres mit Kräutern auseinander zu setzen, verschiedene Kräuter von unterschiedlichen Orten zu sammeln und zu trocknen, die am Jahresende geräuchert werden sollen.

"Für das Ritual selbst gibt es mehrere Methoden. Man kann mit einem Räucherkegel arbeiten, Weihrauch auf Kohle schmelzen oder auf einem Sieb über einer Kerze." Weit verbreitet seien auch Duftlampen, wo Kräuteressenzen und Duftstoffe mittels Öl in Wasser über einem Teelicht verdampft werden. "Oder man bindet die Kräuter über ein Stück Holz."