Chronik | Oberösterreich
03.12.2017

Vom Flügelaltar zur Burg Dornach

Die Maori Neuseelands nannten Andreas Reischek den "Fürst von Österreich".

"Fürst von Österreich": Diesen Ehrentitel erhielt der in Kefermarkt im 19. Jahrhundert geborene Andreas Reischek von den Maori Neuseelands verliehen. Amtsleiter Günter Heinzl weist bei einem Rundgang am Marktplatz von Kefermarkt auf diese herausragende Persönlichkeit des Ortes hin. "Der gelernte Bäcker hat viele Jahre in Neuseeland gelebt und wurde ein berühmter Naturforscher."

Altar der Spätgotik

Gleich daneben im Nachbarhaus erinnert eine Gedenktafel an das Wirken von Franz Kurz. Er wurde als Florianer Chorherr und Stiftsarchivar ein "Pionier der wissenschaftlichen Geschichtsschreibung in Österreich". Nach dieser imponierenden Einführung geht es in die Pfarrkirche mit dem weltberühmten Flügelaltar. Die in Kefermarkt lebende Historikerin Edith Frimmel erzählt: "Der Altar ist mit einer Höhe von über dreizehn Metern einer der größten erhaltenen Schnitzaltäre der deutschen Spätgotik." Ein namentlich nicht mehr bekannter Bildschnitzer hat das Werk um das Jahr 1500 geschaffen. Adalbert Stifter und nach ihm viele andere haben sich um die Erhaltung dieses Kulturschatzes bemüht. Voller Staunen und Ergriffenheit kann der Betrachter heute dieses Kunstwerk bewundern. Goethe war zwar nie in Kefermarkt, aber sein Satz Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen, wahre Kunst bleibt unvergänglich gilt auch für diesen Altar.

Inspiriert von so viel Geschichte und Kultur geht es auf einen Rundweg durch die frühwinterliche Mühlviertler Landschaft. Der Weg "K37" führt vom nahen Schloss Weinberg zur Ruine Dornach. In zwei Gehstunden geht es auf Wiesen-, Sand- und Waldwegen zunächst zur Ortschaft Siegelsdorf. Prächtige Steinbloßhäuser wechseln mit abgeernteten Feldern. Noch immer üppig grüne Rapsfelder trotzen dem nahen Winter. Ein Eichelhäher überfliegt mit rauem Warnruf den Wanderweg. Dann taucht der imposante Bergfried der Ruine Dornach auf. Um das Jahr 1400 erbaut, hat sie eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Lange Zeit als Ruine vor sich hindämmernd, wurde sie vor einigen Jahrzehnten von einem Privatbesitzer mit viel Geschick renoviert und so der Nachwelt erhalten. Der Blick vom "Malerbankerl" auf die Burg hat sogar Adalbert Stifter inspiriert.

Weinberger Advent

Schließlich geht es dem Feistritzbach entlang hinunter ins Tal. Zwischen der gemächlich fließenden Feldaist und der Summerauerbahn führt der Weg schnurgerade zurück nach Kefermarkt, wo am kommenden Wochenende (8.–10. Dezember) ein Besuch beim Weinberger Advent lohnt.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur.