Chronik | Oberösterreich
15.10.2017

"Verbrennungsmotor hat immer noch hohes ein Zukunftspotenzial"

Geschäftsführer Haindl-Grutsch wehrt sich gegen das Diesel- Bashing.

Für die Manipulation der Abgaswerte durch Teile der deutschen Autoindustrie gebe es keine Entschuldigung, sagt Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung im Gespräch mit dem KURIER. "Dennoch warne ich vor einem Diesel-Bashing. Der Verbrennungsmotor ist keine veraltete Technologie, sondern er hat ein hohes Zukunftspotenzial." Er warnt vor simplen Antworten. "Wir sind keine Vergangenheitsbewahrer. Im Mittelpunkt steht die Nutzbarkeit des Konsumenten. Wie kann er das Auto einsetzen?"

Als Beispiel führt er seinen Besuch beim Konzert der Rolling Stones an. "Ich fahre von Linz nach Spielberg 200 km, stehe dort bei relativ tiefen Temperaturen noch eine Stunde im Stau und parke dann auf einem Wiesenparkplatz, wo es keine Ladestationen für E-Autos gäbe. Nach dem Konzert stehe ich wieder ein Stunde im Stau und fahren dann die 200 km wieder zurück. Das wäre für ein Elektrofahrzeug nicht machbar."

Derzeit tanke man an der Tankstelle in einer Minute rund 700 km Reichweite. Beim batteriegetriebenen Fahrzeug seien es in einer Minute 200 m oder bestenfalls beim Super-Chargen sieben Kilometer.

Ein weiteres Problem sei die Reichweite. Man stelle sich vor, die Menschen fahren auf Urlaub und möchten am Brenner tanken. Es wäre dort ein eigenes Umspannwerk nötig. Das gelte auch für öffentliche Tiefgaragen und Shopping Center. Wenn nur ein Prozent gleichzeitig schnellladen würden, wären zusätzlich 38 Timelkam-Kraftwerke notwendig.

"Wir wollen eine nachhaltige Antriebstechnologie, die Emissionsprobleme löst und die für den Menschen eine hohe Nutzbarkeit hat", so Haindl-Grutsch. Das batteriegetriebene Elektrofahrzeug biete viele Einsatzmöglichkeiten, so zum Beispiel bei E-Bikes, Motorrädern, Taxis, öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei kleinen Lieferwägen. Für größere Fahrzeuge erwartet Heindl-Grutch den Einsatz von Wasserstoff bzw. von synthetischen Kraftstoffen. Derzeit sei das batteriegetriebene Elektrofahrzeug ein Nischenthema, nur für Leute, die nur kurze Strecken zurücklegen.

"Man muss das Thema ergebnisoffen beforschen und immer das Gesamtsystem im Auge haben, nicht nur das Fahrzeug allein. Es sollten alle Vor- und Nachteile gesehen werden. Ich glaube nicht daran, dass die Politiker ein Verbot der Verbrennungsmotoren ab 2030 beschließen wird."