Väterkarenz zur Elch-Jagd

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Foto: frei/Land OÖ Hiesl zu Besuch im Kindergarten Kristallen in Stockholm. Die Kinder tragen zum Schutz Masken, weil sie durch die veröffentlichen Fotos gefährdet sein könntengefährdet

Frauen kehren nach 13 Monaten Karenz in die Arbeit zurück, die Einjährigen kommen in Kindergarten.

Was machen die Schweden anders, dass ihre Frauen auf eine Geburtenrate von 1,9 kommen, während sie in Oberösterreich bei 1,55 und österreichweit gar nur bei 1,44 liegt? Um die Bevölkerungszahl gleichzuhalten, wären 2,1 notwendig. Die Antwort, die die oberösterreichische Delegation unter der Führung von Familienreferent und Landeshauptmannstellvertreter Franz Hiesl bei einem Besuch des skandinavischen Landes diese Woche erfuhr, war relativ einfach. Schwedinnen erhalten in den ersten 13 Monaten ihrer Karenzzeit 80 Prozent ihres Gehaltes bis zu einer Obergrenze von 4000 Euro vom Staat refundiert. So manche Firmen zahlen freiwillig noch zehn Prozent dazu, sodass die Mütter auf 90 Prozent kommen. In der Regel kehren sie nach einem Jahr an ihren Arbeitsplatz zurück, das Kind kommt in den Kindergarten.

Während in Oberösterreich neun Prozent der Einjährigen den Kindergarten besuchen, sind es in Schweden 95 Prozent. Sie bleiben dort mehrere Jahre, bevor sie dann in die Vorschule und in die sechsjährige Grundschule kommen. Es folgt die Gesamtschule bis zum 18. Lebensjahr, wobei erst die letzten drei Jahre benotet werden.

Windeln wechseln

Ist es für die Kinder besser, wenn sie mit einem Jahr bereits in den Kindergarten gehen oder wenn sie bei der Mutter zu Hause sind? "Mehrere Forschungen belegen, dass die Kinder reifer sind und sich in der Schule leichter tun, wenn sie bereits früh im Kindergarten sind", sagt Gun Gustafsson, Pädagogin im Kristallen Kindergarten in Stockholm. "Wir lehren die Kinder, die Windeln zu wechseln, sie helfen sich auch gegenseitig beim Anziehen." Die konservative Regierung habe den Müttern angeboten, dass sie bis zum dritten Lebensjahr der Kinder zu Hause bleiben könnten und dafür auch Geld angeboten, das sei aber ein Flop gewesen. Eine Kindergartenpädagogin – die meisten haben einen Hochschulabschluss – verdient rund 3650 Euro im Monat. Allerdings nur zwölf Mal jährlich, weil in Schweden 13. und 14. Gehälter nicht üblich sind.

Der Kindergarten hat von 7 bis 18 Uhr geöffnet. "Mich schreckt,dass der Kindergarten schon mit dem Frühstück beginnt", vertritt Franz Schützeneder, Leiter des Familienreferates des Landes, eine andere Position. Positiv sei ihm aber aufgefallen, dass mehr als 50 Prozent der schwedischen Frauen die Langzeitvariante bei der Karenz wählen. Wenn eine Frau innerhalb von zweieinhalb Jahren das zweite Kind bekommt, erhält sie neuerlich 80 bzw. 90 Prozent vom früheren Gehalt. "Wäre das auch bei uns der Fall, hätte das signifikante Auswirkungen auf die Geburtenrate", ist sich Schützeneder sicher.

Fast alle Väter in Karenz

Ein weiterer Unterschied ist die Väterbeteiligung bei der Karenz. In Oberösterreich beträgt sie 17 Prozent, Tendenz steigend, in Schweden sind es bis zu 90 Prozent. Denn die 80-prozentige Gehaltsrefundierung gibt es nur dann, wenn der Vater mindestens zwei Monate die Betreuung des Kindes übernimmt. Die Väter nutzen die Karenz auch dazu, ihren Interessen nachzugehen. Wenn beispielsweise die Elchjagd beginnt oder Fußballweltmeisterschaften anstehen, steigen die männlichen Karenzzeiten deutlich an. Es stößt sich beispielsweise auch niemand daran, wenn ein Vorstandsmitglied die Sitzung um 16.30 Uhr mit der Begründung beendet, er müsse sein Kind vom Kindergarten abholen.

Hohe Verschuldung

"Es gibt in Schweden schon die unausgesprochene Erwartung, dass beide Elternteile arbeiten gehen", sagt Botschafter Arthur Winkler-Hermaden. "Es ist hier eine sehr uniforme Gesellschaft und einer allein kann eine Familie nicht erhalten. Es gibt hier eine andere Einstellung zu Kindern." Die Wohnungspreise sind sehr hoch, da es einen so wie Österreich geförderten, sozialen Wohnbau nicht gibt. Die 18-Jährigen ziehen von zu Hause aus und nehmen sich einen Kredit, um sich eine Wohnung leisten zu können. "Die Haushalte sind ziemlich hoch verschuldet."

Welche Schlüsse sind aus den schwedischen Verhältnissen für Oberösterreich zu ziehen? Familienreferent Schützender: "Die Forderung nach dem Ausbau der Kleinkinderbetreuung ist durchaus gerechtfertigt. Wir tun uns aber mit den vielen kleinen Gemeinden viel schwerer. Wir haben die Tageseltern, dadurch wird die Ganztagesbetreuung in kleinen Gemeinden möglich." Er verweist auf auch das Beispiel Irland, das mit einer Geburtenrate von 2,1 die höchste Europas hat. Dort bleiben die Frauen traditionell zur Kinderbetreuung zu Hause, der Mann ist häufig Alleinverdiener. Schützeneder: "Wir in Österreich gehen den Mittelweg zwischen Schweden und Irland." "Die Frauen sollen selbst frei entscheiden, welchen Weg sie gehen wollen", sagt Landeshauptmannstellvertreter Hiesl. "Unser System ist gut brauchbar."

(kurier) Erstellt am
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