Chronik | Oberösterreich
20.04.2012

Urnenforst: Letzte Ruhe im Nadelwald

Die Grabesstille eines Waldes nutzen zwei Bestatter, um in Oberösterreich eine naturverbundene Beisetzung zu etablieren.

Über einen schmalen Wiesenweg, mit Blick über das malerische Mühlviertler Land, gelangt man in Pfarrkirchen in das sogenannte Schreiberholz. Vor einer Klangkulisse zwitschender Vögel huscht zwischen meterhohen Nadelbäumen ab und zu ein Reh vorbei. Wanderer verirren sich selten in das abgelegene Waldstück. Bald sollen mehr Besucher in das Schreiberholz einkehren, denn ein Teil davon wird zum Urnenforst umfunktioniert. Hinterbliebene können ihren Lieben dann im „Thanruh" gedenken.

Die Idee ist nicht neu, aber in Oberösterreich einzigartig, erklärt der Bestatter vor Ort, Karl Lindorfer: „In Deutschland nennt man sie Friedwälder. Sie haben regen Zulauf, weil dort, anders als in Österreich, Urnenbeisetzungen am eingenen Grundstück verboten sind."

Kremation

Generell seien die Menschen immer offener, was ihre letzte Ruhestätte betrifft, will der erfahrene Bestatter Lindorfer beobachet haben. Der Gedanke, seine sterblichen Überreste in den Kreislauf der Natur übergehen zu lassen, scheine vielen sympathischer zu sein als in der Erde zu verwesen. Im ländlichen Bereich liege der Anteil der Einäscherungen noch im einstelligen Prozentbereich, in Städten aber deutlich höher – Tendenz steigend.

Natürlichkeit

 Neben romantischen Motiven, die der Waldidylle zugeschrieben werden, liegt ein Argument auf der Hand: Viele Kosten einer klassischen Erdbestatung fallen weg, und die Grabpflege überlässt man im Urnenforst dem Wald. Die Asche wird in einer verrottbaren Urne neben einem Baum oder einem Stein begraben. Ein beschilderter Holzpflock kennzeichnet die Stelle – mittels GPS ist sie bei einem Waldspaziergang leicht auffindbar.

Auf Kreuze, Grabsteine oder ähnliche Devotionalien wird bewusst verzichtet. „Der Wald muss in seiner Natürlichkeit bewahrt werden, weil gerade das einen Urnenforst ausmacht", erklärt Dietmar Krisai, Inhaber und Bestatter aus Braunau am Inn. Im Herbst, wenn das Umwidmungsverfahren abgeschlossen ist, sollen die ersten Beisetzungen stattfinden.

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