Alexandra Scope fixierte Marketas gebrochenen Ellenknochen mit einem Marknagel, das Bleiprojektil konnte noch nicht entfernt werden.

© honorarfrei/Waldrappteam

Innviertel/Bayern
06/11/2014

Unbekannte schossen seltenen Waldrapp vom Himmel

Polizei sucht Tierquäler, der mit Luftdruckgewehr streng geschützten Vogel attackierte.

von Jürgen Pachner

"Aus Spaß mit einem Luftdruckgewehr auf Vögel zu schießen, ist nicht nur grausam und verwerflich, sondern auch verboten – wir haben Strafanzeige erstattet", sagt Johannes Fritz, Leiter des Waldrapp-Aufzuchtprojekts in Burghausen (Bayern) und Salzburg.

Einer seiner Schützlinge, der siebenjährige "Marketa", ist vergangenen Freitag von Unbekannten schwer verletzt worden. Der auf der "Roten Liste" der besonders bedrohten Tierarten stehende Vogel wurde im Gemeindegebiet von Hochburg-Ach (Innviertel) heimtückisch von einem Bleiprojektil getroffen. Der Waldrapp stürzte ab und brach sich einen Flügel. "Er war mit zwei Artgenossen dort auf Futtersuche unterwegs. Seit Jahren kommen sie immer wieder in der Gegend vorbei – man kennt sie und weiß, dass sie geschützt sind", sagt Fritz, für den der Anschlag nicht nachvollziehbar ist. Eine Spaziergängerin hatte ihn alarmiert. "Der Frau ist aufgefallen, dass Marketa nicht mit seiner Gruppe weitergeflogen sondern auf dem Boden geblieben ist."

Notoperation

Der Biologe glaubt nicht, dass Jäger oder Bauern hinter der Tat stecken. "Die schießen eher nicht mit Luftdruckgewehren. Vielleicht waren es aber Kinder, denen die Eltern die Waffe zum Spielen gegeben haben?" Der angerichtete Schaden sei jedenfalls enorm, die weiteren Folgen noch nicht abschätzbar. "Besonders tragisch ist, dass Marketa mit seiner Partnerin Jack zwei Kücken im Nest aufzieht. Unsere Mitarbeiter müssen dem Weibchen jetzt helfen, sie durchzubringen."

Ob der verletzte Waldrapp jemals wieder in die frei fliegende Kolonie integriert werden kann, sei ebenfalls noch ungewiss. "Dafür müsste er seine volle Flugfähigkeit wieder erlangen."

Zumindest den unmittelbar entstandenen materiellen Schaden in Höhe von 4000 Euro will Fritz nach Ausforschung der Täter zurückfordern. Er hofft auf Mithilfe aus der Bevölkerung.

Marketa musste in der Veterinärmedizinischen Uniklinik Wien notoperiert werden. "Ich hab seinen Unterarm-Ellenknochen mit einem Marknagel fixiert", sagt Professorin Alexandra Scope. Die Fraktur sei zum Glück nicht offen und verschmutzt gewesen. Aufgrund der stark geschwollenen Wunde konnte Scope das Projektil aber nicht entfernen. "Das holen wir nach, um einer Bleivergiftung vorzubeugen." Ohne Hilfe hätte der verletzte Waldrapp nicht überlebt: "Er wäre verhungert."

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