Chronik | Oberösterreich
10/05/2016

"Tierschutzgelder für Autos und Privathaus verwendet"

Prozessauftakt im Landesgericht Ried. Verwalter soll betagten Millionär betrogen haben.

Ausgerechnet am Welttierschutztag begann am Dienstag im Landesgericht Ried der Prozess gegen ein Geschwisterpaar, das einen 2011 verstorbenen Tierfreund um mehrere Hunderttausend Euro erleichtert haben soll. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft den 51 und 54 Jahre alten Ex-Mitarbeitern eines Gnadenhofes in Maria Schmolln (OÖ), der sich nun im Eigentum der Stiftung Aiderbichl befindet, schweren Betrug vor. Oberstaatsanwalt Wolfgang Handler umreißt die Anklage mit drei Schlagwörtern: "Gnadenhof, Geld und Gier." Das Motiv sei ein zutiefst menschliches.

Der deutsch-kanadische Millionär Gerd Viebig hatte im August 2006 einen Bauernhof erworben, um dort den Gnadenhof zu errichten. "Er hatte zu Tieren eindeutig eine bessere Beziehung als zu Menschen", sagt Handler. Als Verwalter habe er ab 2010 ausgerechnet den schwer verschuldeten Gerhard S. beschäftigt, gegen den ein Schulden-Regulierungsverfahren anhängig war.

Pension auf Sparbuch

Am 13. April 2010 errichtete der damals 86-jährige Viebig eine Vorsorgevollmacht, mit der er S. zu seiner Vertretung berechtigte, falls er "in rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst entscheiden" könne. "Zeitgleich hat S. den Entschluss gefasst, das in ihn gesetzte Vertrauen zu missbrauchen und seine aktuell prekäre Finanzsituation durch die widerrechtliche Zueignung von Gerd Viebigs Geldern zu verbessern", betont der Oberstaatsanwalt.

Zu diesem Zweck sei ein auf das Losungswort "Rubicon" lautendes Sparbuch eröffnet worden. Laut Vertrag sollten "Auszahlungen an jeden Buchvorleger erfolgen, der das Losungswort angibt".

Zu der Zeit habe Viebig unter Anleitung von S. auch mehrere Sofortpensionsverträge abgeschlossen. Die monatlichen Rentenauszahlungen flossen auf das Sparbuch. "Damit konnte S. über die Beträge verfügen." Der monatliche Vermögenszuwachs am Sparbuch betrug 5500 Euro. Handler: "Bis 8. November 2011 hat S. mehr als 117.000 Euro abgehoben. Mit Geld, das dem Tierschutz zugute kommen sollte, finanzierte er den Umbau seines Hauses und schaffte für sich und seine Familie mehrere Pkw an."

Auch von einem Girokonto, auf das Viebig 125.000 Euro eingezahlt hatte, soll S. 113.400 Euro für private Zwecke abgehoben haben. Und von einem weiteren Giro-Konto soll er 27.600 Euro zweckwidrig verwendet haben.

S. beteuert, alles mit Viebig abgesprochen zu haben. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.