Chronik | Oberösterreich
24.09.2017

"Teilzeitjob" Dialysepatient

Blutreinigung sorgt für gewisse Lebensqualität und überbrückt Zeit bis zur Transplantation.

"Wichtig für mich als Dialysepatient ist es, mit jemandem über meine Krankheit sprechen zu können", erzählt Pensionist Werner Scheurecker (75). Er ist seit sechs Monaten auf die drei Mal wöchentlich für vier Stunden stattfindende Blutreinigung angewiesen. Gemeinsam mit ihm warten österreichweit knapp 600 weitere Patienten auf eine Spenderniere, rund 100 davon in Oberösterreich. 2016 gab es österreichweit rund 4.400 Dialysepatienten. Jährlich kommen 1.200 dazu.

Anfangs hat Scheurecker schwere Atemnot und Wassereinlagerungen gehabt. "Ich habe geglaubt, ich habe Asthma. Dabei war es die Niere, die nicht mehr so gearbeitet hat, wie es sein soll." Durch die Dialyse habe sich sein Zustand wesentlich verbessert: "Plötzlich waren die Wassereinlagerungen weg. Ich habe binnen kurzer Zeit einiges an Gewicht verloren und konnte wieder besser atmen. Jetzt muss ich regelmäßig zur Dialyse. Das beeinflusst meinen Zeitplan. Aber ich kann wieder ein relativ normales Leben führen und Nordic Walken gehen." Auf die Ernährung muss Scheurecker genau achten, "aber man gewöhnt sich daran".

Leben mit der Diagnose

"Die Diagnose hat mich wie ein Keulenschlag getroffen. Die neue Situation ist eine seelische Belastung." Seine verständnisvolle Frau sei ihm eine große Stütze. Ein weiteres Glück war für ihn das Kennenlernen von Gleichgesinnten über den Verein Niere Oberösterreich, mit denen er sich noch heute austauschen kann. Der Schriftführer dieses Vereins, Christian Deimel (49), teilt ein ähnliches Schicksal: "Ich war früher so gut wie nie krank. Bei der Vorsorgeuntersuchung 2002 wurde eine zu hohe Eiweißausscheidung diagnostiziert. Was mir nicht bewusst war, ich hatte zu dieser Zeit zu hohen Blutdruck." Nach mehreren Jahren der bis dato erfolgreichen medikamentösen Behandlung habe sich sein Zustand massiv verschlechtert. "Es folgte ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt, mehrere Untersuchungen und letztendlich eine Notdialyse." Eine Ernährungsumstellung habe nicht funktioniert, daher sei ihm nur die dauerhafte Dialyse geblieben. "Ich war Angestellter und konnte die Dialyse zu Hause erledigen, anfangs alle vier bis fünf Stunden, dann jede Nacht." Später habe er zu lange Dialysephasen gehabt, weshalb Deimel Invaliditätspension beantragt und das Dialysesystem gewechselt hat. Damals sei auch er mehrmals wöchentlich zur Dialyse ins Krankenhaus gefahren. "Von der Diagnose bis zur Transplantation einer Spenderniere hat es vier Jahre und vier Monate gedauert. Die durchschnittliche Wartezeit liegt etwa bei drei bis sechs Jahren." Anfangs habe er viel Hoffnung, aber auch große Ungewissheit gespürt.

Veränderungen

"Anfangs fällst du in ein großes Loch." So beschreiben die beiden Betroffenen die veränderte Lebenssituation. Wesentlich sei neben einer guten, menschlichen und fachlichen Betreuung ein verständnisvolles und tragendes Umfeld. Als Dialysepatient habe man keine andere Chance, als den " Teilzeitjob" zu akzeptieren. Einschränkungen bleiben bei der Ernährung. Außerdem sollte man die neue Niere keiner extremen Belastung aussetzen. Rückschläge kennt Deimel zu gut. Er berichtet von vermehrter Wetterfühligkeit und einer größeren Anfälligkeit für eine Lungenentzündung.

Das Reisen genießt Scheurecker bis heute. Es gebe an vielen Orten Dialysestationen.