"Tattoos kann man nicht ausziehen"

Ein schöner Rücken kann auch entzücken © Bild: KURIER/Wolfgang Atzenhofer

Hautprimar Saxinger warnt vor den Gefahren. Die Langzeitschäden sind noch nicht erforscht, die Entfernung ist kaum möglich.

"Man muss den Leuten sagen, dass eine Tätowierung für das restliche Leben bestimmt ist. Außerdem gibt es noch keine eindeutigen Forschungsergebnisse, ob Farbpigmente Langzeitveränderungen im Körper verursachen." Primarius Werner Saxinger, Leiter der Hautabteilung am Klinikum Wels-Grieskirchen, warnt vor möglichen Gesundheitsrisiken, die durch das Tätowieren entstehen. Außerdem hätte man die Körperverzierung ein Leben lang: "Tattoos kann man nicht ausziehen wie Bekleidung."

"Wir Dermatologen klären Patienten auf, weil das Tätowieren mehrere Reaktionen hervorbringen kann", sagt Saxinger im Gespräch mit dem KURIER. Beim Stechen eines Tattoos würde die Schutzhülle Haut mit der Nadel durchbrochen. "Es kann dabei zu einem Bakterieneintritt kommen. Dies verursacht Rötungen, Schwellungen, Wundinfektionen oder Juckreiz."

Infektionsgefahr

Auch über die Hygiene und Desinfektionsmaßnahmen eines Studios sollte sich der Kunde informieren. Es müsse immer eine Einwegnadel verwendet werden, sagt Saxinger. Der Dermatologe warnt vor Tätowierern ohne Gewerbeschein. "Weil es dort günstiger ist und man schneller einen Termin bekommt, gehen viele in ein illegales Wohnzimmer-Studio, um sich ein Tattoo stechen zu lassen. Wenn das Studio nicht steril arbeitet, häufen sich meist Infektionskrankheiten, wie HIV oder Hepatitis."

Vorsicht sei auch bei den Farben geboten. "Wer sich tätowieren lässt, soll im Studio eine Information über die Zusammensetzung und den Farbenerwerb des Betreibers verlangen. Farben mit schädlichem Nickelzusatz können verschiedene allergische Reaktionen hervorrufen. Manche Farben, vorwiegend aus dem Internet, beinhalten krebserregende Stoffe", sagt Saxinger.

Bund fürs Leben

Tattoos lassen sich nicht so einfach wechseln wie Kleidungsstücke, gibt der Mediziner zu bedenken: "Der Versuch einer Entfernung ist problematisch. Wer sich für den Gang zum Tätowierer entscheidet, muss sich darüber im Klaren sein, dass er damit einen Bund fürs Leben eingeht." Beim Versuch das Tattoo zu entfernen, werden meist Laser eingesetzt. Sie spalten und transportieren die Farbpartikel ab. "Eine vollständige Entfernung ist meistens gar nicht möglich und der Vorgang benötigt sehr viele Sitzungen. Zeitaufwand und Kosten sind daher hoch. Bei einem durchschnittlichen Tattoo müssen an die zehn Sitzungen anberaumt werden. Es können beim Lasern auch Nebenwirkungen wie Verbrennungen auftauchen. " Für das Entfernen der verschiedenen Farbpigmente kommen unterschiedliche Laser zum Einsatz, erklärt Saxinger. "Grüne oder rote Farbe lässt sich schlechter entfernen als schwarze. Auch Milchsäure wird verwendet, was allerdings zu Verätzungen führen kann."

Als Reaktion auf Saxingers Kritik verweist Siegfried Scheuchl, Sprecher der Tätowierer in der Wirtschaftskammer, auf die Tattoo-Einverständniserklärung: "Mit der Unterschrift nimmt der Unterzeichner zur Kenntnis, dass es sich bei einer Tätowierung um einen unwiderruflichen Vorgang handelt." Diese Einverständniserklärung hätten nur staatlich geprüfte Tätowierer, betont Scheuchl.

1985 eröffnete der Linzer Österreichs erstes offizielles Tattoo-Studio. Auf Hygiene legt er größten Wert: "Ich verwende Einweghandschuhe und Einwegnadeln. Deshalb kann es bei mir zu keinen Infektionen kommen. Einmal pro Jahr werde ich vom Hygieniker überprüft."

Abheilprozess

Schlechte Pflege beeinträchtige das Abheilen des Tattoos, weiß Scheuchl. "Wir haben eine Information zusammengestellt, die über die Nachbehandlung aufklärt. Auf gar keinen Fall soll man nach der Tätowierung in die Sonne gehen. Es würde die Entwicklung des Tattoos beeinflussen und Allergien hervorrufen", meint Scheuchl.

"Stehe zu Tattoo"

Clara Diesenreiter aus Traun ließ sich mit 16 Jahren ihr erstes Tattoo stechen. Die meisten ihrer dauerhaften Körperverzierungen befinden sich am Rücken und am rechten Arm. Ob ihr die Tätowierungen auch später noch gefallen würden, ist der 23-jährigen Zahntechnikerin egal. "Ich bin mir sicher, dass mir meine Tattoos auch noch in einigen Jahren gefallen werden. Vielleicht komme ich aber einmal darauf, dass es ein grober Fehler war, mich tätowieren zu lassen. Wenn das im Alter mein einziges Problem ist, dann habe ich wirklich ein schönes Leben gelebt."

( kurier.at ) Erstellt am 23.07.2017