Die Familie Kohlmayr bei den Tieren, die sich hier im Freien aufhalten: Heinz und Monika mit ihren Kindern Stefan und Katharina (v.l.)

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Windischgarsten
11/16/2013

„Strohbett ist das Um und Auf“

Die Familie Kohlmayr setzt auf die französische Zuchtrasse Blonde d’Aquitaine

von Josef Ertl

Lumpi ist ein wahrer Prachtbulle. Er ist 980 Kilogramm schwer und drei Jahre jung. Wenn er ungehalten ist, steckt er den Kopf Richtung Boden und stampft mit den Vorderfüßen das Stroh vom Stallboden weg. Doch das stört den 50-jährigen Moosbauern nicht. Heinz Kohlmayr ruft nach ihm, mit einigem Widerstreben gehorcht Lumpi seinem Herrn.
Urban wiegt 1100 kg, ist viereinhalb Jahre alt und treibt sich im Freien umher. Auch seine Erscheinung ist beeindruckend. Die dritte Zuchtbulle im Hause Moosbauer heißt Knut, der ebenfalls 1100 Kilogramm auf die Waage bringt.
Die Hauptaufgabe aller drei Stiere ist das Decken der rund 30 Kühe. Auf dem Hof gibt es noch 40 bis 50 Kälber, jede Menge Katzen, zwei Haflinger-Pferde und 16 Zwergziegen, deren Aufgabe das Abfressen der steilen Wiesen ist. „Sie sind Restbestände des Urlaubs am Bauernhof, den wir früher angeboten haben“, erklärt die Bäuerin Monika Kohlmayr. Den habe sie eingestellt, denn die Gäste hätten ihre Kinder bei ihr abgegeben mit der Bemerkung, sie solle sich darum kümmern. Dafür habe sie bei ihrer vielen Arbeit nicht Zeit.

Wunderbare Lage

Der Moosbauernhof liegt auf 650 Metern Seehöhe in einer sehr schönen Lage am Rand von Windischgarsten, genau in Edlbach 30, einer 650-Einwohner-Gemeinde. 40 Hektar werden bewirtschaftet, wovon 30 Hektar Pachtgrund sind. Die Pacht ist mit bis zu 900 Euro pro Jahr nicht mehr billig. Von Anfang Mai bis Ende September kommt ein Teil der Tiere auf die Weide im 25 km nahen Steyrling.

Der Moosbauer hat sich auf die französische Fleischrasse Blonde d’Aquitain e spezialisiert. Österreichweit gibt es nur 40 derartige Züchter, in Oberösterreich sind es gar nur sechs. „Die Tiere sind sehr schön zum Anschauen und wenig aggressiv. Sie sind leichtkalbig, das heißt, es gibt kaum schwere Geburten. Die Schlachtausbeute ist mit 67 Prozent sehr gut, das Fleisch ist gut“, erzählt Heinz Kohlmayr.
Jährlich werden rund acht Tiere am Hof geschlachtet und in Fleischpaketen direkt abverkauft. „Die Kunden sagen uns ihre Wünsche. Es gibt Gulasch, Lungenbraten, Kochfleisch und Schnitzel. Die Rindsschnitzel kann man wie Schweinsschnitzel panieren, weil das Fleisch so zart ist“, sagt die Bäuerin. Geschlachet wird auf Nachfrage, Ostern und Weihnachten sind Fixtermine. Bestellungen werden unter der Telefonnummer 07562/8796 entgegengenommen.

Der Haupterlös kommt aus dem Verkauf von rund 15 trächtigen Kalbinnen und Jungstieren. „In Summe können wir beide hauptberuftlich zuHause leben und arbeiten. Es passt für uns“, sagt der Moosbauer. Die Kinder sind schon groß und selbstständig. Heinz (29)ist gelernter Zimmerer und nun Gutsverwalter in Hinterstoder. Georg (28) hat die Tischlerei erlernt und arbeitet im Sägewerk Rosenau. Der 26-jährige Stefan ist Betriebsschlosser in einem Furnierwerk am Hengstpaß. Katharina (24) ist landwirtschaftliche Betriebshelferin beim Maschinenring Kremstal-Windischgarsten. Zweimal wöchentlich arbeitet sie im Büro.

Das Moosbauerngut präsentiert sich in einer geradezu idyllischen Art und Weise. Die Tiere laufen frei herum, sie fressen Heu und Silage. Der Stallboden ist voll von Stroh, das zugekauft wird. „Das Um und Auf ist das Strohbett. Es macht zwar mehr Arbeit, aber es ist für das Tierwohl sehr wichtig. Die Tiere erholen sich richtiggehend, die Verletzungsgefahr ist nicht so groß. Das Stroh bedeutet mehr Arbeit, aber man hat mehr Humus am Boden. Bei den Besichtungungen von anderen Ställen und Betrieben sehen wir, dass wir am richtigen Weg sind.“

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