Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

Streit um historischen Hof

Ein Wohnhaus soll einen 450 Jahre alten Hof in Schlüßlberg ersetzen. 500 Menschen fordern sofortigen Denkmalschutz.

Aufregung herrscht um den riesigen Erdpresserhof in Schlüßlberg am Stadtrand von Grieskirchen. Der Meierhof, der vor gut 450 Jahren erstmals urkundlich erwähnt wurde, ist verkauft worden und soll einem Wohnhaus weichen. Die Gemeinde hat den Bau bereits bewilligt. Nun regt sich Widerstand. 500 Unterschriften wurden gesammelt, damit das Haus erhalten bleibt.

Der Verein Initiative für den Denkmalschutz hat sich ebenfalls eingeschaltet. "Der Hof ist ein regionales Kulturgut und muss kurzfristig unter Denkmalschutz gestellt werden, damit er nicht abgerissen wird", fordert Viktor Zotter, der Landesobservator der Initiative. Der Grund: "Darin gibt es wertvolle Tonnengewölbe und Stuckdecken." Beim Bundesdenkmalamt sieht man aktuell keine Notwendigkeit, den Hof unter Schutz zu stellen. "Momentan ist die Bedeutung noch nicht groß genug", sagt Ulrike Knall-Brskovsky, die Landeskonservatorin für Oberösterreich. Denn es gebe sehr viele ähnliche Bauernhöfe.

Baufällig

Der Käufer der Liegenschaft, der Unternehmer Ferdinand Haslehner, versteht die ganze Aufregung nicht. "Ich habe im Vorfeld nie etwas davon gehört, dass das Gebäude denkmalschutzwürdig sein soll." Er könne zwar die Menschen verstehen, die für den Hof unterschreiben. "Wenn sie aber das Gebäude erhalten wollen, warum haben die 500 Leute den Hof nicht selbst gekauft?" Hinter ihm steht auch Schlüßlbergs Bürgermeister Otto Weinberger: "Jahrelang musste man Angst haben, dass er einstürzt. Niemand war bereit, ihn zu kaufen." Von Baufälligkeit sei keine Rede, widerspricht Zotter. Im Gegenteil: "Der Hof ist in einem sehr guten Zustand."

Inwieweit das Gebäude seine ursprüngliche Form behält, darüber scheiden sich ebenfalls die Geister. "Nach den vorliegenden Plänen stehen 95 Prozent des Ensembles auf Abriss", ärgert sich Zotter. Haslehner dementiert: "Es werden ungefähr 50 Prozent weggerissen, 50 Prozent saniert."