Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

Stimmwunder aus Hinterstoder

Der 16-jährige Alois Mühlbacher singt die schwierigsten weiblichen Opernarien und ist der Star der Florianer Sängerknaben.

Das Feuilleton überschlägt sich förmlich, wenn es über Alois Mühlbacher berichtet. Der 16-Jährige aus Hinterstoder wurde dort schon als Ausnahmetalent, als Wunderkind oder als Sopranstar bezeichnet. Grund dafür ist seine engelsgleiche Stimme, mit der er die schwierigsten Sopranarien, die normalerweise von Frauen gesungen werden, darbietet. Die Königin der Nacht oder die Arie der Zerbinetta aus "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß, die für erwachsene Sängerinnen große Herausforderungen sind, meistert er mit Bravour.

Ständiges Singen

Der quirlige Bursch, der auch im Kaffeehaus oder während des Spazierengehens gerne vor sich hinsingt, ist der Publikumsliebling der St. Florianer Sängerknaben, zu denen er vor sechs Jahren hinzugestoßen ist. "Ich habe schon immer zu Hause gesungen. Meine Eltern haben gesagt, ich habe eine hohe, kräftige und schöne Stimme, die wäre etwas für die Sängerknaben. Wir sind nach St. Florian gefahren, wo mir gesagt wurde, ich sei ein musikalisches Talent", erzählt Mühlbacher über den Beginn seiner Gesangskarriere.
"Ich habe mir beim Vorsingen gedacht, er hat sicher ein gewisses Talent. Allerdings war seine Stimme noch überanstrengt", berichtet Franz Farnberger, der Chorleiter und Mentor Mühlbachers. Im Laufe der Zeit stieg der junge Mann dann zum Solisten der Gesangsgruppe auf.

Schauspielschule

Mittlerweile wohnt er nicht mehr im Internat und geht auch nicht mehr in St. Florian zur Schule. Der junge Sänger besucht derzeit in Linz eine Schauspielschule. "Zwar möchte ich später unbedingt Opern- oder Liedsänger werden, aber es bringt mir sehr viel, wenn ich auf der Bühne ein ausgebildetes Erscheinen habe", sagt Mühlbacher, der beinahe ausschließlich klassische Musik hört. "Meine zwei älteren Schwestern, die eine ganz normale Jugend haben, hören Popmusik. Da bekomme ich etwas davon ab. Manches gefällt mir schon, aber die Klassik ist viel tiefgründiger", sagt das musikalische Talent, das sich stets gewählt ausdrückt.
Bei den Florianer Sängerknaben ist er, wie Farnberger sagt, "quasi ein freier Mitarbeiter". Trotzdem kommt er beinahe jeden Tag zum Proben hierher. Viel Zeit verbringt er nicht nur in St. Florian, sondern auch auf den großen Bühnen der Welt. In Tokio sang er den Yniold in Debussys "Pelleas et Melisande". Beim Opernfestival in Aix-en-Provence und an der Wiener Staatsoper mimte er den Ersten Knaben in der "Zauberflöte".
"Natürlich bin ich vorher nervös, aber auf der Bühne soll man es eigentlich nicht sein. Auch bei mir ist die Aufregung dort vorbei", antwortet Mühlbacher auf die Frage, ob ihn auf den Brettern der renommierten Häuser das Lampenfieber packe. "Ich konzentriere mich vor 15 Leuten genauso wie vor 10.000."
Wie lange er noch Arien für Frauen und Knabenrollen singen kann, ist ungewiss. Wie ein Damoklesschwert schwebt der nahende Stimmbruch über dem 16-Jährigen. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass er danach nicht mehr singen kann, das Talent und das, was er erarbeitet hat, wird bleiben", erklärt Farnberger. Allerdings müsse die Stimme danach wieder neu eingestellt werden.

Open Air

Zuvor gibt Mühlbacher allerdings am 26. August um 20 Uhr im Zentrum seines Heimatortes Hinterstoder ein Open-Air-Konzert unter dem Titel "ALOIS unerhört LIVE", wo er Stücke aus seiner Solo CD "Alois UNERHÖRT" sowie Arien aus Carmen oder La Boheme zum Besten gibt. Farnberger begleitet ihn am Klavier, Schauspieler Heribert Sasse umrahmt das Konzert mit literarischen Texten.