Chronik | Oberösterreich
02.04.2012

„Sklave“ des Küchenchefs

Das Arbeitsgericht Wels hat einen Hotelbetreiber zu mehr als 1500 Euro Schadenersatz verurteilt. Er hat einem Afrikaner nicht geholfen, als dieser vom Koch am Arbeitsplatz massiv wegen seiner Herkunft angegriffen worden war. Der „Herr“ nannte ihn „Sklave“.

Schwere rassistische Beleidigungen musste sich ein heute 46-jähriger Afrikaner bei seiner Arbeit als   Abwäscher und Küchenhilfe in einem Welser Hotel anhören. Der Küchenchef hatte  sich  zweieinhalb Monate lang  als seinen „Herren“ und den Arbeitnehmer als „Sklaven“ bezeichnet. Außerdem sollen in diesem Zeitraum noch weitere fremdenfeindliche Bemerkungen gefallen sein. Als sich der Afrikaner im Frühjahr des vergangenen Jahres an den Hoteldirektor wandte, bekam er von diesem keine Hilfe. Deshalb ging der Betroffene zur  Polizei und schilderte, wie mit ihm an seinem Arbeitsplatz umgegangen worden sei. Der Afrikaner erstattete  auch Anzeige. Daraufhin wurde er gekündigt.

Einspruch

Die Arbeiterkammer Wels intervenierte beim Gastronomen. Der  wollte allerdings von den Vorwürfen nichts wissen und lehnte einen Schadenersatz ab. „Der Chef des Hauses hat das damit begründet, dass der Mann   im Betrieb nicht wegen seiner Hautfarbe und wegen seiner Herkunft diskriminiert worden sei“, sagt Rainer Brunhofer von der Arbeiterkammer.


Weil sich der Hotelier  weigerte, eine  Entschädigung zu überweisen, reichte  die Interessensvertretung beim Arbeitsgericht Klage ein. Die Behörde hat  den  Arbeitgeber letztendlich   zur Zahlung von 1537,71 Euro verurteilt.


Die Begründung des Gerichts:   Nach dem Gleichbehandlungsgesetz dürfe niemand wegen seiner ethnischen Herkunft diskriminiert werden. Eine Diskriminierung sei auch dann gegeben, wenn der Arbeitgeber  eine angemessene Abhilfe schuldhaft unterlasse. Der Beschäftigte dürfe nach einer derartigen Beschwerde weder entlassen, gekündigt, oder sonst irgendwie benachteiligt werden.


„Weil der Dienstgeber den Zahlungsbefehl, nicht beeinsprucht hat, ist er dann auch rechtskräftig geworden. Allerdings hat der Unternehmer  nicht gezahlt. Deshalb wurde der Betrag   mit einer Pfändung eingetrieben“, erklärt Brunhofer.
Der Afrikaner war für keine Stellungnahme erreichbar.