Selbst die Toten sollten zahlen

© Bild: Frühauf Franz

Die 3000 Mitglieder des pleite gegangenen Salzkammergut-Konsum werden nun mit je 145,30 Euro zur Kasse gebeten.

Zur wochenlangen Freude über das schöne Wetter im Inneren Salzkammergut gesellt sich bei 2956 Einheimischen zwischen Traunsee und Dachstein plötzlich Ärger und Unmut. Bei diesen fast 3000 Personen handelt es sich um ehemalige Mitglieder der im Mai dieses Jahres in die Pleite geschlitterten Konsumgenossenschaft Salzkammergut, die nun von Masseverwalter Peter Posch, einem Welser Anwalt, einen Brief bekommen haben.

Darin wird jedes Mitglied aufgefordert, 145,30 Euro zu bezahlen, um die noch offenen Forderungen der Gläubiger in der Höhe von zirka 300.000 Euro begleichen zu können.

Härtefälle

"Als Konsum-Mitglied bin ich zur Zahlung der 145 Euro jetzt, wo alles den Bach hinuntergeschwommen ist, den Statuten nach verpflichtet", sagt Peter Ellmer, Bürgermeister von Bad Goisern. "Was mich aber sehr irritiert, ist die Zahlungsaufforderung an meine Mutter, die seit 13 Jahren tot ist, und ich kenne zwei weitere Fälle, wo bereits Verstorbene ebenfalls zur Zahlung aufgefordert werden. Welcher Saustall muss in dieser Mitgliedskartei herrschen?" Und noch etwas stößt dem Ortschef sauer auf: "Im Radio habe ich gehört, dass die Gemeinden großspurige Ankündigungen zur Hilfe nicht einhalten würden. Die Gemeinden konnten gar nichts versprechen, weil sie kein Geld haben. Die 145 Euro treffen auch viele ältere Menschen, das sind lauter Härtefälle so kurz vor Weihnachten, der Brief hätte es im Jänner auch getan."

Das Lebensmittelunternehmen Pfeiffer, das Filialen des Konsum Salzkammergut übernommen hat, bietet als Abfederung dieser 145 Euro eine Gutscheinaktion an - 28 Gutscheine á 5 Euro ab einer Einkaufssumme von 50 Euro, gültig bis 31. 12. 2012 nur in den Unimarkt-Filialen Bad Goisern und Altmünster. Ein Unding für alte und nicht mobile Konsum-Mitglieder in Gosau und Ebensee, wo'es keinen Unimarkt gibt. Die Aussage von Posch, es habe von der SPÖ und dem ÖGB "großspurige Ankündigungen" gegeben, das Problem der Zahlungen "zu lösen", wird von beiden Organisationen als "haltlose Unterstellung" zurückgewiesen.

Erstellt am 05.12.2011