Chronik | Oberösterreich
24.12.2017

Seien Sie stolz auf Ihre Leistung!

Es freut mich sehr, dass ich immer öfter auf meine Kolumne angesprochen werde. In den vergangenen Tagen wurde ich mehrmals gefragt, was ich zu Weihnachten schreiben werde. Ob ich Kekse oder Braten verdamme oder gar schon die Diät fürs neue Jahr vorstellen werde.Und wissen Sie was? Ich habe nicht die geringste Lust, heute irgendetwas auch nur ansatzweise Einschränkendes oder Negatives von mir zu geben. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen frohe Weihnachten und ein paar erholsame, friedliche und schlemmende Tage im Kreise Ihrer Liebsten!

Ich denke, wir haben alle ein anstrengendes Jahr hinter uns, in dem wir oft "mussten" und nicht "durften". Wir haben es uns verdient, einmal nur zu genießen, was auch immer das für die/den Einzelne/n bedeutet. Ob das Ausschlafen, früh raus gehen, bis spät in die Nacht zusammensitzen, schon nachmittags im Pyjama sein, Schokolade essen oder Gemüsesaft trinken ist, ist völlig einerlei.

Ich liebe es am Yoga, dass ich am Ende der Praxis einfach nur atme und mich abschließend bei mir selbst bedanke. Und das ist mein einziger Tipp für die nächste Woche, die letzte in 2017: Atmen Sie tief durch und seien Sie stolz auf das, was Sie heuer geleistet haben.

Nun lautet der Titel meiner wöchentlichen Kolumne ja nicht "Philosophie für den Alltag", sondern sollte auch von Ernährung handeln. Deshalb empfehle ich Ihnen heute, dass Sie jeden Bissen feiern und schätzen. Kurz vor Weihnachten habe ich immer den Eindruck, es bricht Panik aus, weil die Lebensmittelgeschäfte zusperren und wir auf immer die letzte Möglichkeit haben, einkaufen zu gehen. Dieser übermäßige Konsum – man kann es durchaus auch Verschwendung nennen –, ist mir zuwider. Gott sei Dank habe ich in meinem Leben noch nie Hunger leiden müssen, aber wir alle kennen Geschichten aus der Kriegs- oder Nachkriegszeit. Mein Großvater zum Beispiel war Knecht an einem Bauernhof in der Obersteiermark. Er hat mir immer von seinem Weihnachten erzählt. Das ganze Jahr arbeitete er hart und ging sehr häufig hungrig zu Bett. Aber am Heiligen Abend bekam er von den Bauersleuten ein Stück Kletzenbrot, ein Häferl Glühwein und durfte sogar Fleisch essen. Das war er einerseits nicht gewohnt, andererseits war es nach der Christmette natürlich sehr spät. Das Festmahl hat sein Magen nicht vertragen, sodass er sich jedes Jahr übergeben musste. Das machte ihm aber nichts aus, weil es für ihn so ein unglaublicher Luxus war, so viel essen zu können. Wenn ich von Heiligabend bis zum Stephanitag mit Völlegefühl zu kämpfen habe, schäme ich mich hin und wieder. Heutzutage haben wir es wirklich nicht mehr nötig, so zu übertreiben, werden wir doch das ganze Jahr überflutet - von Lebensmitteln und sämtlichen Konsumgütern. So nehme ich mir heuer vor, dankbar zu sein, für das Essen, meine Familie, Freunde, Gesundheit und vieles mehr. Und wenn wir ganz ehrlich sind – kann es ein schöneres Weihnachtsgeschenk geben?

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell