Scharinger verteidigt Grasser

Der scheidende Raiffeisen-General Ludwig Scharinger hält Vorwürfe gegen Karl Heinz Grasser für „reine Medienjustiz“.

Ludwig Scharinger scheidet in einer Woche  nach 40 Dienstjahren aus der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich aus. Seit 27 Jahren ist der Mühlviertler, der im Herbst seinen 70er feiert,  Generaldirektor. Er bleibt der Bank als Konsulent erhalten.

KURIER: Wie ich Sie kenne, verlassen Sie Freitagabend Ihr Büro und kommen Montagfrüh um 7.30 Uhr wieder zurück.

Ludwig Scharinger: Ob ich um 7.30 Uhr komme, weiß ich noch nicht. Ich werde es in der Früh lockerer nehmen. Darauf freue ich mich.

Welche Funktionen werden Sie weiter ausüben? Sie bleiben  Vorsitzender des Universitätsrates.

Das bleibt. Ich behalte mir die Freilichtmuseen, den Förderverein des Musiktheaters und  ich bleibe im Aufsichtsrat der Linz AG und  der Firma  Asamer. Neu dazu gekommen ist die Präsidentschaft in der  russisch-österreichischen Freundschaftsgesellschaft.

Was war Ihre wichtigste Maßnahme?

Unsere Beteiligungen an Unternehmen.  Hier haben wir uns ganz konträr   zur Branche verhalten. Wir haben uns nicht nur beteiligt, sondern uns auch ins Unternehmen hineingelebt. Angefangen von der  voestalpine bis hin zur AMF, die wir nicht fallen gelassen, sondern zum Lebensmittelkonzern Vivatis weiterentwickelt haben.

Was war das Zweitwichtigste?

Dass ich in ganz entscheidenden Phasen auf meine Frau Anneliese gehört habe. Ich hätte mehrmals nach Wien in die Politik gehen sollen.  Sie war hier immer sehr zurückhaltend. Sie hat Recht gehabt.

Bereuen Sie, dass  Sie nicht in die Politik gegangen sind?

Man muss nicht vorne stehen.

Haben Sie Fehler gemacht?

Eigentlich nicht, wenn ich so zurückschaue. Es gibt nur ein Thema, die Biodieselanlage in Enns. Da habe ich mir den deutschen Partner zu wenig angeschaut. Vor allem weil er nicht in der Lage war, seine Zusagen einzuhalten, nämlich den Rohstoff Raps zu besorgen.

Ihr Führungsstil war ein patriarchaler.

Ich kann mit diesen Begriffen sehr wenig anfangen.

Sie regeln die Dinge bis ins kleinste Detail.

Ich habe mich vom Detail nie abbringen lasse, weil ich Oberflächlichkeiten nicht schätze. Es gibt Leute, die entscheiden und sie kümmern sich dann nicht mehr darum. Dann beginnt die Gstecken (Böschung, Anm.) zum Rutschen. Die Mitarbeiter, die mitgestalten, sollen möglichst wenig leere Kilometer machen.

Manche Mitarbeiter hatten aber Angst vor Ihnen.

Dann waren sie nicht gut vorbereitet.  Das habe ich nicht vertragen. Da habe ich einmal zu einem gesagt, der gemeint hat, das geht nicht, ,dazu brauche ich Dich nicht, dazu bist Du zu teuer.`

Wenn man in einer so  einflussreichen Position ist  wie Sie, dann hat man viele Freunde.  Es stellt sich aber oft heraus, dass diese Freunde lediglich die Position und nicht den Menschen meinen.

Solche Erfahrungen habe ich noch nicht gemacht, aber das wird schon noch kommen.  Ich gebe mich hier keinen Illusionen hin.  Ich werde nicht mit allen weiterhin  so  intensive freundschaftliche Beziehungen pflegen können. Das kostet sehr viel Zeit. Ich stand schon öfter vor der Situation, soll ich jetzt helfen oder werde ich ausgenützt? Manchesmal habe ich mich zu sehr einspannen lassen.

Sie haben den ehemaligen Finanzminister Karl Heinz Grasser sehr geschätzt und ihn auch oft nach Linz eingeladen. Haben Sie sich in Grasser getäuscht?

Ich bin da sehr vorsichtig. Es gibt bis heute keine Verurteilung. Bis jetzt ist es eine reine Medienjustiz.  Die Leute sind Grasser zugegangen.  Er hatte charismatische Fähigkeiten. Wie weit er sie missbraucht hat, wie weit er selbst von seinen Freunden missbraucht wurde,  ist schwer zu sagen.

In Ihrer Bank hat es eine Hausdurchsuchung wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen beim Linzer Terminal Tower gegeben.

Da gibt es in Wien Machinationen. Immer wenn es knapp wird, versuchen sie andere mit hineinzuziehen.

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( Kurier ) Erstellt am 23.03.2012