Chronik | Oberösterreich
16.02.2018

Rössl-Wirt kämpft um afghanischen Lehrling

Immer mehr Firmenchefs in OÖ gegen Abschiebungen von Asylwerbern.

Die Liste der oberösterreichischen Unternehmer, die für ihre von negativen Asylbescheiden bedrohten Lehrlinge auf die Barrikaden steigen, wird immer länger. Jetzt erhebt auch Helmut Peter, prominenter Seniorchef des Weißen Rössl am Wolfgangsee, seine Stimme. Der ehemalige Politiker (FPÖ und Liberales Forum) kämpft an der Seite des grünen Integrationslandesrats Rudi Anschober.

"So kann das nicht sein in dieser Republik. Das darf nicht passieren", ist Peter aufgebracht. Seit sieben Monaten zeige der Afghane Rahmat Jafari als Lehrling im Weißen Rössl besten Lern- und Integrationswillen. Nun erhielt er den ersten negativen Asylbescheid. Alle Mühe den Flüchtling zu integrieren, scheinen umsonst, beklagt Peter in einem Brief an Bundeskanzler Sebastian Kurz. Von ihm fordert er, dass "seine Behörden positive Integrationsschritte in Zukunft als Grundlage ihrer Entscheidungen nehmen und nicht jahrelanges Bemühen um einen Menschen mit einem Federstrich zerstören".

Der Skandal um die Abschiebungen von Lehrlingen spitze sich zu, meint Anschober, der demnächst sämtliche zuständige Minister bis Kanzler Kurz selbst mit der Thematik konfrontieren wird. 36.557 Unterstützer haben Anschobers Petition für den Schutz von Asylwerbern in Lehre unterschrieben. Für ein Drittel von 311 dieser Lehrlinge in OÖ ist die Lage prekär. Sie erhielten bereits einen negativen Asylbescheid.

Lehrlingsmangel

Weil für das Jahr 2020 allein für OÖ das Fehlen von 29.000 Facharbeitern prognostiziert wird, sei die Vorgangsweise falsch, sagt Anschober. Viele Firmen hätten Interesse daran, junge Asylwerber in eine Lehre zu nehmen. Sie seien aber verunsichert. Das bestätigt auch Kurt Reitgaßl von Pappas Automobilvertrieb, der um den Verbleib des Irakers Abdelrahman kämpft, der in seinem Heimatland ein Maschinenbaustudium abgeschlossen hat. Und Pappas-Chef Helmut Salinger fordert: "Es ist Zeit, dass die Politik wach wird, wir brauchen jeden, der arbeiten will".

Andreas Kirsenhofer von Machland Konserven berichtet, dass in seinem Betrieb von 30 einheimischen Lehrlingsbewerbungen keine übrig blieb. Sein afghanischer Lehrling Raji, der die Berufsschule mit sehr gut abschloss, muss jährlich um die Verlängerung des Bleiberechts ansuchen. Anschober fordert eine Gesetzesänderung nach deutschem Muster. Dort sind derzeit 7000 Lehrlinge für insgesamt fünf Jahre (drei Lehrjahre plus zwei folgende Arbeitsjahre) vor Abschiebung geschützt.