Der Swap belastet ihn zwar, aber mit seiner Lebensleistung als Bürgermeister ist er zufrieden: Franz Dobusch.

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FRANZ DOBUSCH
10/19/2013

„Region in der Bildung aufrüsten“

Der scheidende Bürgermeister setzt auf die Medfakultät und den Ausbau der Universitäten.

von Josef Ertl

Franz Dobusch tritt am 7. November als Linzer Bürgermeister ab. Der 62-Jährige ist mit beinahe 26 Jahren (Jänner 1988 bis November 2013) das längstdienende Stadtoberhaupt.

KURIER: Wann war Ihnen klar, dass Sie aufhören?
Franz Dobusch: Mir war schon vor der Wahl 2009 klar, dass ich nur noch ein Mal kandidiere. Wenn ich mich für die eine Wiederkandidatur entschieden hätte, hätte ich noch sechs Jahre machen müssen, andernfalls hätte sich mein Nachfolger einer Direktwahl stellen müssen. Dann wäre ich 68 oder 69 Jahre alt gewesen. Das ist einfach zu lange. Wer weiß denn, wie lange man lebt.

Viele glauben, Sie gehen wegen des Swap.
Was da teilweise in Wien für bösartige Artikel geschrieben worden sind, darüber kann man nur lachen. Was hier in Oberösterreich verfasst worden ist, steht diametral zu dem, was in Wien geschrieben wurde. Das ist ja eins zu hundert.

Die Wiener kennen sich nicht aus?
Oder man recherchiert nicht oder man nimmt etwas an, vielleicht auch gefördert von der Bawag. Dadurch, dass die Zeitungen das Thema gleich geschrieben haben, liegt für mich die Vermutung nahe, dass dahinter jemand gewerkt hat. Das kann kein Zufall sein.

Wie geht es Ihnen mit den Reaktionen auf den Rücktritt?
Es geht mir dabei sehr gut. Ich bin mit den Äußerungen der oberösterreichischen Medien und der Kontrahenten sehr zufrieden. Für mich ist auch okay, dass der Swap dabei eine Rolle spielt. Das ist in den vergangenen zwei, drei Jahren eine starke Belastung gewesen. Aber es haben selbst politisch Andersdenkene die Meinung vertreten, dass in meiner Amtszeit sehr viel passiert ist.

Ihre Bilanz ist eine erfolgreiche, siehe Luft, Soziales und Kultur ...
Ich glaube, sogar beim Verkehr. In der Früh und am Spätnachmittag gibt es einen zäh-flüssigen Verkehr. Aber das ist schon alles. Staus sind wir nicht gewohnt. Mit ein Grund ist die Ebelsberger Umfahrung.

... aber mit 1,2 Milliarden Euro sind auch die Schulden hoch.
Das ist natürlich richtig, aber es gibt auch ein hohes Vermögen. Man könnte auch sagen, wir verkaufen, wie das das Land bei der Energie AG gemacht hat, einen Teil der Linz AG. Aber das haben wir nicht gemacht. Hätten wir das getan, hätten wir kaum Schulden. Das Geld, das das Land durch den Verkauf der Energie AG, der Hypo und durch die Darlehensverkäufe eingenommen hat, ist weg. Aber ich will jetzt nicht auf das Land hinhauen. Es gibt um zwei Milliarden Kredite, für die das Land bürgt und zahlt, die aber in der Bilanz nicht aufscheinen. Ein Beispiel sind die 500 Millionen Kredite für die Ordensspitäler, damit diese ihre Häuser sanieren können. Das ist korrekt, ich habe kein Problem damit. Wir in Linz haben es vielleicht nicht so kreativ gemacht. Wir haben für das Geld Werte geschaffen und zum Beispiel sechs Millionen Quadratmeter Grund gekauft. Wir haben das Vermögen erhöht. Wir sind auch die einzige Stadt, die noch ein Krankenhaus hat. Das kostet uns 15 bis 20 Millionen Euro pro Jahr. Wenn das AKH in meiner Amtszeit vom Land so behandelt worden wäre wie die Ordensspitäler, dann hätte ich um 500 Millionen weniger Schulden.
Dazu kommt, dass alle Gemeinden in Oberösterreich im Verhältnis schlecht dastehen. Würde Linz vom Land so behandelt wie Graz oder Innsbruck, wären wir hochweis. Warum steht Oberösterreich so gut da? In erster Linie wegen Linz. Gewisse Schulden sind generationengerecht. Es ist einfach gerecht, wenn die nächste Generation etwas zahlt, denn sie profitiert davon. Zum Beispiel, wenn wir Kindergärten bauen. Kultureinrichtungen wie das Ars Electronica Center oder das Wiener Burgtheater klagen über zu geringe öffentliche Förderungen. Stößt die öffentliche Hand hier nicht an Finanzierungsgrenzen?
Man kann sehr wohl gewisse Sparpotenziale in der öffentlichen Hand heben. Als ich 1988 Bürgermeister geworden bin, haben wir beim Magistrat rund 9000 Beschäftigte gehabt. Jetzt, nach 25 Jahren, haben wir eine ähnlich hohe Anzahl. Ich habe 800 Beschäftigte in den Seniorenzentren und um 500 Leute mehr als damals. Ich habe um 500 Beschäftigte mehr in den Horten und gleich viel Leute wie damals. Statt 50.000 Fernwärme-versorgte Wohnungen haben wir 70.000, statt 60 Millionen Fahrgäste haben wir 100 Millionen im Verkehrsverbund, statt einem Kraftwerk haben wir vier. Das gesamte Leistungsangebot der öffentlichen Hand hat sich in den vergangenen 25 Jahren mit derselben Personenanzahl gewaltig gesteigert. Die Produktivität ist enorm gestiegen. Wir können uns heute das Ganze überhaupt nur leisten, weil das passiert ist. Das Hinhauen auf die öffentliche Hand von der Industriellenvereinigung ist ungerechtfertigt. Ich habe alleine in meinem Bürgermeisterbüro um fünf Mitarbeiter weniger im Vergleich zu früher. In manchen Bereichen kann nicht einsparen. Zum Beispiel bei den Kindergärten. Wenn wir hier einsparen, müssten wir die Öffnungszeiten reduzieren.

Was steht in den nächsten Jahren an?
Der Aufbau der Medizinfakultät. Das braucht sehr viel Zusammenarbeit zwischen Land und Stadt. Es muss aus dem AKH, dem Wagner-Jauregg und der Landesfrauenklinik eine Universitätsklinik geschaffen werden. Das bedingt eine Gesellschaft, an der Land und Stadt beteiligt sind, vielleicht auch die Universität. Diese Klinik wird ein ganz, ganz wichtiges Krankenhaus für Oberösterreich sein. Wenn es das höchste Niveau mit der besten Ausstattung hat, werden viele Patienten dort behandelt werden wollen. Es wird vermutlich höhere Kosten verursachen. Diese werden vom Bund nicht bezahlt, weil er nur für den Forschungsaufwand aufkommt. Die Finanzierung wird auf Dauer für eine Kommune nicht leichter. Mittelfristig muss man sich die Aufteilung der Anteile anschauen. Hier muss das Land einfach stärker einsteigen.

Was schwebt Ihnen sonst noch vor?
Neben der Medizinfakultät sollten wir die pädagogischen Hochschulen so weiterentwickeln, dass man alles, was man im Lehrerbereich braucht, auch bei uns studieren kann. Das fängt bei Geschichte an und geht bis zu den Sprachen. Heute müssen alle, die Deutsch studieren, nach Salzburg gehen. Das Wichtigste für gute Zukunftschancen ist, die Region im Bildungsbereich weiter aufzurüsten.
Man muss das im Zeitraffer sehen. 1962 war die Grundsteinlegung der Universität. 1966 haben in Linz die ersten Studenten begonnen. Die Universität hat sich enorm entwickelt, sie hat heute 17.000 Studenten. Diese Weiterentwicklungen sind schon ganz wichtig. Aus den pädagogischen Akademien sollte man Universitäten machen. Sie sollten auch das Promotionsrecht bekommen.

Sie werden sich in Zukunft die städtischen Baustellen von außen anschauen?
Man muss einmal loslassen. Es geht einen nichts mehr an. Es sicher eine Frage, ob ich mich einmal ehrenamtlich engagiere. Jetzt muss ich einmal Abstand gewinnen, wenn man einmal so lange in der Mühle war wie ich.

Ohne Mühle kann man es sich doch nicht vorstellen?
Es ist ohne Zweifel schwer.

Von hundert auf null zu gehen, ist schwierig.
Ich hätte so viele Bücher zu lesen, die in der Bibliothek herumstehen und die ich noch nicht gelesen habe. Das ist unbeschreiblich. Ich habe so viele Kunstbände, die es wert sind, sie genauer anzuschauen. Ein bisschen mehr Sport wäre auch nicht schlecht. Ein paar Kilos abzunehmen täte mir auch gut.

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