Chronik | Oberösterreich
22.10.2017

Qualitätssiegel für 24-Stunden-Pflege

Die Arbeit der Vermittler und der Pflegekräfte sollen transparenter werden.

Die Lebenserwartung der österreichische Bevölkerung wird in den nächsten Jahren weiter steigen und damit auch der Pflegebedarf. Mit Ende des Jahres 2016 hatten laut Sozialministerium rund 455.000 Frauen und Männer Anspruch auf Pflegegeld.

In Oberösterreich waren es im Juli 2017 aktuellen Zahlen der Landesregierung zu Folge knapp 70.000. Zwei Drittel davon sind Frauen. Für viele Pflegebedürftige ist es eine Erleichterung, wenn sie den Alltag zu Hause verbringen können. Die 24-Stunden-Betreuung hat sich in Österreich etabliert. Doch jetzt stehen Bund und Länder vor der Herausforderung, die hohe Qualität weiterhin zu erhalten und zu finanzieren.

Oberösterreichs Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer (SPÖ) hat deshalb angekündigt, im Frühjahr 2018 ein Qualitätssiegel für die 24-Stunden-Pflege einzuführen. Dadurch soll es den Kunden leichter möglich sein, in der Dichte der Angebote eine nach fachlichen Maßstäben qualifizierte Pflegekraft zu finden.

Siegel für Vermittler

Dieses Qualitätssiegel solle für alle Vermittlungsagenturen von Personenbetreuern in der 24-Stunden-Betreuung gelten. "Es soll befristet ausgestellt und regelmäßig überprüft werden", sagte die Landesrätin im Gespräch mit dem KURIER. Es werde nach klaren und transparenten Maßstäben an Anbieter vergeben, die eine hohe Dienstleistungsqualität erbringen. Zurzeit werde ein Kriterienkatalog erarbeitet, der Themen beinhalten soll wie Kundenfreundlichkeit und Verständlichkeit der Verträge der Agenturen, Ausbildungsgrad der zu vermittelnden Pfleger, Weiterbildungsmöglichkeiten, Mindestmaß an Deutschkenntnissen, Anerkennung ausländischer Zeugnisse, Ersatzmöglichkeiten im Krankheitsfall, Vorgehensweise in medizinischen Notfällen, Dokumentationsmöglichkeiten zur Betreuung und damit einhergehend Nachvollziehbarkeit bei kritischen Vorkommnissen.

Das Diakoniewerk stehe einer solchen Entwicklung grundsätzlich offen gegenüber, da bereits intern eine gute Qualitätssicherung vorhanden sei, erklärt Mathias Kalb dem KURIER. Kalb leitet die 24-Stunden-Betreuung des Diakoniewerks in Oberösterreich.

Eine gemeinsame Qualitätssicherung für die zentral über die Standorte in Wien laufende 24-Stunden-Betreuung werde bereits gemeinsam von den Organisationen Hilfswerk, Volkshilfe und Caritas betrieben. "Das Hilfswerk Österreich ist grundsätzlich sehr aufgeschlossen gegenüber weiteren Vorschlägen zur Qualitätssicherung", sagt Sprecher Roland Wallner auf Anfrage des KURIER. Von einem oberösterreichischen Qualitätssiegel wisse man bisher noch nichts.

Als weiteres Angebot stellt Landesrätin Gerstorfer eine oberösterreichische Onlineplattform mit Informationen zu den Anbietern. "Es wird außerdem eine Bewertungsplattform für Angehörige geben, die in die Qualitätsbeurteilung der Vermittlungsagenturen einfließt." Man könne online Erfahrungen und Meinungen zur Pflegequalität abgeben. Diese Transparenz soll es auch für selbstständige Personenbetreuer geben. Das Setzen von Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen falle in die Zuständigkeit des Bundes. Aber man gehe von einer automatischen Hebung einiger Standards aus.