Pornojäger nach Infarkt gestorben

Der berüchtigteerzkonservative Populist Martin Humer, 85, kämpfte stets gegen die Unmoral und das Böse .

Ich bin unverstorben aus dem Spital zurückgekehrt", verlautete Martin Humer im November 2010 in einem für ihn typischen Spottbrief an den Bezirkshauptmann von Gmunden, mit dem er seit Jahren immer wieder im Clinch lag.

Der berüchtigte Pornojäger und Ex-Fotograf hatte gera-de eine lebensbedrohliche Krankheit überstanden. Er war mit vier Liter Wasser in den Lungen in die Notaufnahme gebracht worden, dem Tod aber in letzter Sekunde von der Schaufel gesprungen. Und obwohl körperlich extrem geschwächt, konnte oder wollte er es einfach nicht lassen, seinen Kampf gegen - seiner Meinung nach - unchristliche Verhaltensweisen in gewohnter Schärfe fortzuführen.

"Es gibt leider zu viele, die beschreiben nur die Missstände. Kaum einer traut sich die Verursacher anzugreifen, obwohl das bei einer gewissen Hartnäckigkeit und Ausdauer erfolgreich wäre, wie ich aus Erfahrung nur bestätigen kann", erklärte Humer seinen nahezu pathologischen Antrieb dazu.

Illegal

Dass der christliche Fundamentalist in seinem populistischen Kampf gegen "die Unmoral und das Böse" meist gewaltig über das Ziel hinausschoss und auf diese Weise immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geriet, störte ihn wenig. "Außer meinem Hausverstand und dem Zorn kann ich nichts verlieren."

Mit aufsehenerregenden Aktionen gegen Abtreibung, Pornografie, Homosexualität und moderne Kunstwerke soll er in den vergangenen 40 Jahren eine zweistellige Zahl an Vorstrafen gesammelt haben. Humer schreckte auch vor Sachbeschädigung nicht zurück. Besonders spektakulär war sein Anschlag auf die Mozart-Statue des deutschen Künstlers Markus Lüpertz in Salzburg, die er mit Farbe und Federn verunzierte.

Am vergangenen Sonntag starb Humer im Klinikum Wels an den Folgen seines vierten Herzinfarktes. Der 85-Jährige hinterlässt eine Ehefrau und drei Kinder.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011