Chronik | Oberösterreich
01.11.2017

Popmusik zur ewigen Ruhe

Im Waldfriedhof nahe der Burg Clam sind 30 Menschen unter Bäumen bestattet.

"Leg dich an einem schönen oder auch windigen Tag in den Wald, dann weißt du alles selbst." Mit diesem Satz Robert Musils wird in einer Broschüre ein drei Hektar großen Wald stück nahe der Burg Clam im südlichen Mühlviertel (OÖ) beworben. Der malerische Hochwald wurde zu einem offiziellen Friedhof umfunktioniert.

Gut 30 Menschen haben hier schon unter Bäumen ihre letzte Ruhestätte gefunden. Im seit einem Jahr von Carl Phillip Clam betriebenen "FriedWald" herrscht eine einzigartige Stimmung. Es ist ruhig und friedlich auf den Wegen. Kleine Schildchen auf Bäumen weisen auf die Verstorbenen hin, die darunter in Urnen begraben sind . "Ich wollte diesem schönen Wald eine besondere Nutzung geben und ihn den Menschen öffnen", erzählt Clam. Er hat sich mit dem in Deutschland sehr erfolgreichen Franchise-System "FriedWald" zusammen getan. Über 70 solcher Waldfriedhöfe gibt es schon.

"Es muss absolut pietätvoll sein und mit der katholischen Kirche abgestimmt sein", erzählt Clam über seine Vorgaben. "Dafür können wir mit unseren Erfahrungen garantieren", versichert "FriedWald"-Repräsentantin Monika Graber.

Konfessionslos

Der Wald ist allerdings für alle Konfessionen offen, Menschen jeder Glaubensrichtung können hier bestattet werden. Den Andachtsplatz über der Klamschlucht ziert aber ein großes Kreuz. Graber: "Es ist im Wald auch erlaubt, dass etwa am Geburtstag eines Verstorbenen unter einem Baum ein Gläschen getrunken wird. Auch hier ist das schon geschehen".
Unweit der Ruhestätte geht im Sommer so richtig die Post ab. In der Arena bei der Burg Clam sind zahlreiche Weltstars zu Gast, die hier ihre Musik abfeuern. Heuer begeisterten etwa Elton John oder Sting tausende Besucher. Carl Philip Clam sieht darin keinen Widerspruch, sondern "eine tolle Ergänzung". Musikfans, die nach ihrem Tod weiter die Nähe zu den Stars suchen und sich einen Begräbnisbaum gekauft hätten, sind Clam noch nicht untergekommen. Reservierungen gibt es schon. Etwa von einer Frau, die sich vor Jahren verlaufen hatte und an einem markanten Platz zwischen Granitblöcken gefunden wurde.
Über 300 Bäume wurden im Clam-Wald mittlerweile geometrisch eingemessen und als verkäuflich gekennzeichnet. Ein Baum unter dem eine völlig verrottbare Urne begraben werden darf, ist für eine Einzelperson für 99 Jahre und je nach Baumstärke ab 2700 Euro zu haben, Gemeinschaftsbäume bis zu 6350 Euro.www.Die Gräber sind gebührenfrei. Frei zur Verfügung gestellt wird auch ein Ruheplatz beim "Sternschnuppenbaum", wo ungeborene Kinder begraben werden können. Im November werden noch an zwei Samstagen (10. und 25.) Führungen durch den FriedWald angeboten. friedwald-clam.at