© Thomas Leitner

Chronik Oberösterreich
02/23/2012

Pfarrer Friedl geht in Pension

Der streitbare Seelsorger von Ungenach wird sich aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen lassen.

von Jürgen Pachner

Es ist noch nicht lange her, da war Josef Friedl vermutlich Österreichs bekanntester Priester – und auch der angefeindetste. Am Dienstag verkündete er seinen Rücktritt als Pfarrer von Ungenach. Mit 15. März wird er sich aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzen lassen. „Ich sitze im Rollstuhl, bin halbseitig gelähmt und habe keine Kraft mehr – ich kann keine Pfarre mehr leiten“, sagt der 68-Jährige im KURIER-Gespräch.

Mit Friedl verliert die Kirche eine ihrer schillerndsten Persönlichkeiten. Sein kompromissloses Eintreten für das kosovarische Flüchtlingsmädchen Arigona Zogaj hatte ihn im Herbst 2007 über Nacht in die Schlagzeilen gebracht. Für sein couragiertes Eintreten bekam er nicht nur Beifall, sondern vor allem den Volkszorn zu spüren. Der Seelsorger wurde am Telefon und in Briefen wüst beschimpft. „Verräter Ali Friedl raus“ und „Mullah Friedl“, schmierten Unbekannte etwa auf die Friedhofsmauer in Ungenach.

Friedl ließ sich davon aber nicht beirren, unterstützte Arigona, ihre Geschwister und deren Mutter weiter wo und wie er nur konnte. Einen beträchtlichen Teil seines Pfarrergehalts spendete er für ihren Lebensunterhalt. „Ich bin ein alter Mann und brauche selbst nicht viel“, lautete seine Begründung. Noch bis vor kurzem hatte Friedl den Zogajs jedes Monat 700 Euro überwiesen.

Fahrradsturz

Im seinem Kampf für Gerechtigkeit versuchte der Pfarrer beharrlich den geraden Weg zu gehen, auch wenn er damit manchem auf die Zehen stieg. Das war auch der Grund, warum er etwa seine Lebensgefährtin nicht vor der Öffentlichkeit geheim halten. „Die Leute in der Pfarre wissen und akzeptieren das“, behauptete Friedl. Der streitbare Geistliche machte sich damit bei Vorgesetzten in der Diözese Linz nicht sonderlich beliebt.

Sein Kampfgeist blieb ungebrochen, bis er im Oktober 2010 mit seinem Fahrrad schwer stürzte. Er erlitt einen Schädelbruch und eine Gehirnblutung, schwebte in Lebensgefahr und musste tagelang in Tiefschlaf versetzt werden. Auf Reha musste er später mühsam das Sprechen wieder lernen.

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