Chronik | Oberösterreich
05.03.2012

Opfer im Internet verhöhnt

Auf YouTube wurden Nacktfotos von Geschädigten eines Kinderpornorings aus dem Salzkammergut veröffentlicht.

Nachdem in den 1990er-Jahren in Bad Goisern Österreichs bisher größter Kinderschänderring ausgehoben wurde, brechen bei den Opfern erneut die seelischen Wunden auf. Laut Ö1 Morgenjournal sollen von Betroffenen im Knabenalter bis vor Kurzem mehr als 13 Monate lang Nacktfotos auf der Videoplattform YouTube im Internet zugänglich gewesen sein. Von fast allen der rund 60 Opfern waren die Namen und Zeugenaussagen einsehbar.

„Der Film wurde mehr als 7000-mal angesehen“, berichtet Gewaltforscher Rainer König-Hollerwöger, der sich seit Jahren mit dem Fall beschäftigt, bei dem es sechs Verurteilungen gab. Der Sexualwissenschaftler sieht dahinter eine Racheaktion eines rechtskräftig verurteilten Ex-Täters, der an seine Unschuld glaubt. „Es ist eine schwere Menschenrechtsverletzung, die Betroffenen so zu denunzieren.“ Laut König-Hollerwöger soll der Mann nach seiner abgesessenen Strafe seit 2003 fünf Mal Prozessakten ins Internet gestellt haben. Bei der Staatsanwaltschaft Wels ist hingegen nur ein weiterer Fall bekannt.

Gegenüber Ö1 bestätigte der als Haupttäter Verurteilte, dass er die Dokumente veröffentlicht habe. „Davon weiß ich nichts, aber es wäre hilfreich, wenn wir jemanden hätten, der das als Zeuge aussagt“, betont Franz Haas, Leiter der Staatsanwaltschaft Wels.

Ermittlung

Die Behörde ermittelt seit Monaten wegen des Verdachts der Veröffentlichung geheimer Akten gegen Unbekannt. Aus rechtlicher Sicht sei nicht feststellbar, wer die Unterlagen auf die Plattform gestellt hat. Für das Delikt ist nur eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten vorgesehen. Für eine Auswertung der Daten wäre ein höherer Strafrahmen nötig.

Die Mutter eines damaligen Opfers war schon im Jänner 2011 zur Polizei und später zu einem Anwalt gegangen. Damals soll es geheißen haben: „Da können wir nichts machen“, erklärt die Frau.

Nachdem verzweifelte Geschädigte erfolglos versucht hatten, bei YouTube die Löschung des Videos zu erreichen, schalteten sie die Wiener Medienanwälte Gerald Ganzger und Heinz Templ ein. Ihnen gelang es, dass die Dokumente aus dem Internet verschwanden. „Man muss gute Argumente finden, damit etwas entfernt wird“, sagt Ganzger. Das Problem sei, dass bei den US-amerikanischen sozialen Netzwerken die Meinungsfreiheit vor dem Opferschutz komme.