Auf dem Weg durch das Tannermoor

© Josef Leitner

Chronik | Oberösterreich
05/17/2019

Österreichs größtes Latschenhochmoor

Beim Tannermoor, dem gößten Latschenhochmoor Österreichs, entspringen fünf Flüsse

In der Mühlviertler Marktgemeinde Liebenau befindet sich nicht nur das größte Latschenhochmoor Österreichs, sondern auch der höchste Pass unseres Bundeslandes, der 1044 Metern hohe Koblbergpass. Die Temperaturen im höchstgelegenen Erholungsdorf des Landes sind ungefähr sieben Grad niedriger als im Zentralraum. Dennoch fühlt man sich als Besucher nicht wie im Gebirge, obwohl man von acht Tausendern umgeben ist.

Höher als 1000 m

Alle diese Hügel sind höher als 1000 Meter. Kein Wunder, dass hier fünf Flüsse entspringen. Es sind dies die Schwarze und die Weiße Aist, der Kamp, die Kleine Naarn und einer der drei Quellflüsse der Großen Naarn, die dann das Untere Mühl- bzw. das Waldviertel durchqueren. Uns ziehen allerdings nicht diese Mugeln, sondern das einmalige, einen Quadratkilometer große Tannermoor an.

Keine Tannenbäume

„Der Name Tannermoor hat nichts mit Tannen zu tun. Er dürfte aus der keltischen Sprache stammen, was ,Feuerplatz im Moor’ bedeutet und auf eine befestigte Kleinsiedlung am nördlichen Moorrand hinweist“, erklärt Helmut Atteneder, pensionierter Lehrer und Buchautor. Bei unserem Besuch im Moor sind auch tatsächlich keine Tannenbäume zu sehen. Stattdessen begrüßt uns der dunkelleuchtende Rubener Teich, der von kräftig gewachsenen Fichten umgeben ist. Auf einer hölzernen Plattform, die in den Teich ragt, meditieren gerade einige Fischer mit ihren Angeln.

Rundwanderweg

Wir begeben uns auf die eineinhalbstündige Rundwanderung durch das Moor. Begleitet werden wir vom Moorführer Martin Groß, der sich nach langen Berufsjahren in der Großstadt in diese ländliche Idylle zurückgezogen hat. Er schätzt die klaren Sternenhimmel und freut sich auch über besondere Lichterscheinungen im Moor, die „Fuchtlmandl“, die in warmen Sommernächten auftauchen.

Fuchtlmandl

„Das Moor enthält Methangas, das bereits bei 33 Grad zu fluoreszieren beginnt. Dabei entsteht ein weiß-bläuliches Flackern, das schnell wieder verschwindet.

10.000 Jahre alt

Bei unserem Rundgang über den weich federnden Moorboden entdecken wir eine Vielzahl von Pflanzen wie Heidel-, Preisel-, Moos- und Rauschbeere. Unser Führer vergleicht dieses Moor mit einer Badewanne ohne Zu- und Abfluss. Die Moorpflanzen, aus denen das Moor in mehr als 10.000 Jahren entstanden ist, sind wahre Überlebenskünstler: „Sie ernähren sich von Regenwasser, den Pollen im Luftstaub, dem Zusammenwirken von Wurzeln und Pilzen oder sie mutierten wie der Sonnentau zu fleischfressenden Pflanzen.“

Kuawaump'n

Eine bemerkenswerte Wegpassage ist die sog. „Kuawaump’n“. Kaum sichtbar haben hier Graswurzeln die oberste Schicht des Moors so verdichtet, dass dieses das Gewicht eines Menschen trägt, ohne dass er versinkt. Geradezu schwebend, steigen wir vorsichtig wie auf einem Trampolin über das schwarze Dunkel. Keiner der Bäume des Moors ist höher als fünf Meter. Hier wachsen ausschließlich latschenartige Bergkiefern. Schließlich begeben wir uns wieder an die Randzone des Moors und treffen auf eine bizarre Felsenlandschaft aus Weinsberger Granit, die „Leermüllermauer“. Hier befand sind im Mittelalter eine Holzburg und sogenannte Freibauernsitze.

Autor: Josef Leitner