Chronik | Oberösterreich
20.08.2017

Nun ist die hohe Zeit der Kräuter

Mit Maria Himmelfahrt ist die hohe Zeit für Kräutersammler angebrochen, denn nun tragen unsere Heilpflanzen eine sehr hohe Wirkkraft in sich. Es sind die Frauenkräuter, die sogenannten Frauendreißiger, von denen es heißt, dass sie uns eine besondere Heilkraft schenken. Ich habe am 15. August die wichtigsten Frauenkräuter gesammelt, wie Beifuß, Schafgarbe, Brennnesselsamen oder Dost.Natürlich durfte auch das Gänsefingerkraut nicht fehlen.

Sehr unscheinbar wächst es in unseren Wiesen und wird, wenn überhaupt, erst dann beachtet, wenn die gelben, leuchtenden Blüten sichtbar werden. Wo das Gänsefingerkraut wächst, wuchert es meistens. Es liebt gutgedüngte verdichtete Böden und ist meistens an Weg- und Weideflächen sowie an Bächen und Teichen zu finden. Die Blätter wachsen rosettenartig aus dem Boden. Sie haben gesägte Ränder und sind auf der Oberseite glänzend grün, auf der Unterseite silbrig und behaart. Das Gänsefingerkraut hat sieben bis zwanzig Läppchen. An den Knotenpunkten wachsen die gelben Blüten, die fünf Blütenblätter haben.

Leider kommt das Gänsefingerkraut sehr selten vor und ist in unserer Region in Vergessenheit geraten. Früher war es vor allem in der Landwirtschaft wohlbekannt, denn es war ein Notfallmittel für alle Verletzungen bei Tier und Mensch. Die Heilpflanze, die auch Krampfkraut, Gänserich, Fingerkraut oder Silberkraut genannt wird, wirkt krampflösend, beruhigend, entzündungshemmend, schmerzstillend und wundheilend. Sie reinigt das Blut und macht es dünnflüssiger. Generell kann ich das Kraut bei Krämpfen empfehlen, wofür es einst sehr viel genutzt wurde. Es wirkt Wunder bei Magen- und Darmkrämpfen, Menstruationsbeschwerden und Migräne. Früher wurde das Gänsefingerkraut meist mit Milch gekocht und getrunken, auch Pfarrer Kneipp schwörte darauf. Als Tee, Tinktur oder als Pulver wird es auch heute noch von Mensch und Tier genutzt. Gänsefingerkraut ist nicht nur für alle Krampfarten zu empfehlen, auch bei Krampfadern, sondern auch bei akutem Durchfall, Darmkoliken und krampfartigem Husten. Besonders bei krampfartigen Regelschmerzen wird es empfohlen. Hier bekomme ich auch regelmäßig Rückmeldungen, dass es wirklich geholfen hat.

Für äußerliche Anwendungen wie Waschungen, Umschläge und Bäder wird Gänsefingerkraut bei entzündeten Wunden verwendet.

Nutzen Sie Ihre heilkräftige Umgebung und entdecken Sie die Einfachheit der Natur. Es ist ein großartiges Geschenk, die Wirkkraft der Pflanzen zu spüren.

Monika Kronsteiner ist Kräuterpädagogin im 1. Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin in Bad Kreuzen