Gerhard, Hermine und Jakob Auer vor dem Wohnhaus.

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Eder z'Hoazing
08/24/2013

Nicht gleich alle Karten herzeigen

Bauernbundpräsident Jakob Auer feiert am Samstag seinen 65. Geburtstag.

von Josef Ertl

Rund um das Haus ist alles aufgeräumt. Picobello. „Ich mag es gar nicht, wenn etwas herumliegt“, sagt Jakob Auer. Ordnung, Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit haben beim Bauernbundpräsidenten einen hohen Stellenwert. Selbst in der Maschinenhalle ist alles so sauber, gereinigt und geputzt, dass man dort jausnen könnte. „Bei den Maschinen bin ich ganz heikel. Da bin ich sicherlich pedantisch.“ Werkzeuge, Ersatzschrauben etc., alles ist da. „Ich wäre gerne Werkzeugbauer geworden.“ Doch er hat sich nach dem Militärdienst 1968 entschieden, den Hof zu übernehmen. Dem ging eine heftige Auseinandersetzung mit dem Vater voraus.

Die Auers sind aus Tirol zugewandert. „Der Vater ist als Gemeindeangestellter mit 65 in Pension gegangen und hat sich hier in Fischlham eingekauft. Er wollte Zeit seines Lebens Bauer sein. Er hat uns nicht gefragt, ob uns das passt. Die Mutter hat viele Tränen geweint, weil ihr die Berge gefehlt haben und sie in einem fremde Welt gekommen ist. Er war in gewisser Weise ein Aussteiger. Er hat auch keinen Führerschein besessen und er konnte nicht mit dem Traktor fahren. Für mich war das beinhart, denn ich hatte hier keine Schulfreunde und meine beiden Brüder waren noch jünger.“

Frühe Verantwortung

Mit 23 Jahren hat er den Hof übernommen. Gemeinsam mit seiner Frau Hermine hat er ihn komplett um- und neu gebaut. Ursprünglich gehörten 12 Hektar Grund dazu, heute sind es 30 Hektar. Bewirtschaftet werden 44 Hektar (inklusive Wald). Der ältere der beiden Söhne, der 41-jährige Gerhard, führt mit Hermine den Hof mit den 520 Mastschweinen. Der Jüngere, der 39-jährige Jakob, ist Dr.Dipl.-Ing. und arbeitet bei der Hypo-Alpe Adria im Controlling. „Er hat in etwa denselben Schädel wie sein Vater und sagt, er geht solange nicht zu Raiffeisen, solange ich bei Raiffeisen bin. Denn sonst heiße es, der Vater habe es ihm gerichtet.“

Auch in der Politik hat Auer früh Verantwortung übernommen. „Ich bin mit 24 in den Gemeinderat gekommen, bin mit 27 ÖVP-Obmann geworden, mit 28 Bürgermeister und mit 29 Jahren Bezirksparteiobmann. Ich war immer viel unterwegs, das ist mein Leben. Wir haben immer viel gearbeitet, es gibt ganz wenige Sonntage, an denen ich nichts tue. Entweder bin ich unterwegs oder ich arbeite in der Landwirtschaft.“ Gemeinsam mit SPÖ-Klubobmann Josef Cap wird er im Herbst mit mehr als 30 Jahren der längstdienende Abgeordnete sein. Seit dem Jahr 2000 ist Auer auch Aufsichtsratsvorsitzender von Raiffeisen OÖ und seit zwei Jahren österreichweiter Bauernbundobmann.

Auch Auers Brüder sind erfolgreich. Der Jüngste ist seit 22 Jahren Bürgermeister von Steinerkirchen und Geschäftsführer der Tierkörperverwertung Regau. Der zweite war Einrichtungsberater bei der Firma Koll. „Er ist bereits in Pension und arbeitet genauso wie früher. Das ist das Problem der Auers, sagen die Frauen. Sie können ohne Arbeit nicht sein.“

Eigener Kopf

Was macht ihn so erfolgreich?„Ich habe sicher einen eigenen Kopf. Ich habe von Ludwig Scharinger die Konsequenz in der Umsetzung gelernt. Ein gewisser Fleiß ist auch dabei.“ Außerdem sei er relativ fit. „Ich bin von der Jugend her austrainiert.“ Er rauche nicht, trinke wenig und esse seit zehn Jahren bewusst.

Was hat er in der Politik gelernt? „Man muss auf die Meinungen der anderen hören. Man muss die Linie vorgeben, man muss aber darauf achtgeben, was die Bevölkerung verkraftet. Denn vorauszugehen und niemand folgt einem, das hilft niemand. Ich hab auch gelernt, ein Netzwerk über die Parteigrenzen hinweg aufzubauen. Das kommt mir im Parlament zugute. Ich kann mit allen reden. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, aber wichtig ist, dass man reden kann.“ Er sei aber nicht immer ein Konsenspolitiker. Gelernt habe er auch, nicht gleich alle Karten herzuzeigen. „Man kann durchaus eine Schlacht verlieren, aber den Krieg muss man gewinnen.“

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