Chronik | Oberösterreich
12.11.2017

Neun Risikofaktoren für den Herzinfarkt

Vor ein paar Tagen war ich eingeladen, in "meiner" Gemeinde Bad Zell einen Vortrag zum Thema Schlaganfall zu halten. Wie immer – und vor allem in diesem Fall -– legte ich den Fokus auf die Prävention, also darauf, dass die Krankheit gar nicht erst entsteht.

Die größte und wichtigste Studie zu diesem Thema wurde bereits 2004 veröffentlicht, die sogenannte Inter-heart-Studie, wo in zweiundfünfzig Ländern Unter suchungen und Beobachtungen durchgeführt worden waren. Damals konnte gezeigt werden, dass neun einfach messbare und behandelbare Risikofaktoren für neunzig Prozent der Herzinfarkte verantwortlich waren. Dies gilt im Übrigen für alle geographischen Regionen, alle ethnischen Gruppen, alle Altersgruppen und für beide Geschlechter. Die Entstehung von Herzinfarkt und Schlaganfall beruhen auf denselben Mechanismen: Großteils kommt es zu Gefäßverschlüssen, das dahinterliegende Gewebe wird nicht mehr durchblutet und so treten entsprechende Funktionsausfälle auf.

Psychosozialer Stress

Deshalb habe ich mir diese Risikofaktoren für meinen Vortrag nochmals genauer angeschaut:1. mangelnder Konsum von Früchten und Gemüse 2. mangelnde Bewegung 3. vergrößerter Bauchumfang4. Fettstoffwechselstörung5. Bluthochdruck6. Diabetes7. Psychosozialer Stress 8. strikte Alkoholkarenz 9. Rauchen

Jedes Mal ist es wieder unfassbar für mich, dass wir die Todesursache Nummer Eins so leicht bekämpfen könnten und es einfach nicht tun! Mit regelmäßiger Bewegung und gesunder Ernährung – also Punkt eins und zwei –- hätten wir auch die Punkte drei bis sieben im Griff. Ich schreibe hier nicht einmal von sportlichem Training und fleisch- sowie fettarmer Ernährung. Bereits regelmäßiges Gehen anstatt Auto fahren bewirkt vieles. Ebenso wie ein Zusatz auf unserem Speiseplan und kein Verbot, nur täglicher Konsum von frischem Obst und Gemüse!

Dass Rauchen nicht gesund ist, muss ich Ihnen nicht erklären. Der einzige missverständliche Punkt ist Nummer acht. Strikte Alkoholkarenz fördert tatsächlich die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit will ich Sie nicht zum Trinken animieren, aber es ist eine Tatsache, dass kleine Mengen Alkohol gefäßerweiternd wirken und damit einen Schutz für unser Gefäßsystem bieten.

Positive Sichtweise

Immer wieder höre ich: "Sie wollen mir alles wegnehmen, was schmeckt oder lustig ist!" Ich möchte Ihnen gar nichts wegnehmen. Vielleicht können Sie das Glas als halbvoll betrachten. Ich will Ihnen ein Extra-Geschenk machen! Ich empfehle Ihnen zusätzlich Obst und Gemüse. Ich empfehle Ihnen zusätzlich frische Luft, die uns allen gut tut. Und der Benefit? Ein langes Leben, das zusätzlich mit viel Qualität gefüllt ist!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell