Chronik | Oberösterreich
16.07.2017

Neuer Chef sucht die DNA und den Dialekt der Musik

Markus Poschner hat mit dem Bruckner Orchester große Ziele. Erste Tournee nach England.

"Jetzt ist der nächste Schritt fällig."

Markus Poschner, der neue Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz (BOL) sprüht vor seinem Arbeitsbeginn am 4. September vor Tatendrang und Ideen. Breite und Spezialisierung zugleich, dazu Internationalisierung und Regionalität hat der Münchner im Fokus. Scheinbar unüberbrückbaren Gegensätze will der neue Chef des zweitgrößten Orchesters Österreichs überwinden. Im fast literarisch konzipierten "Orchesterbuch" werden alle Vorhaben und ein facettenreiches Programm der ersten Saison Poschners aufgelistet.

Sein Dienstantritt in Linz fällt sogar mit dem Geburtstag Anton Bruckners zusammen. Mit einem eigenen Straßenbahnzug werden Poschner und das Orchester an diesem Tag öffentlichkeitswirksam zur Arbeit ins Linzer Musiktheater fahren. Auch ein Zeichen dafür, dass der bisherige Generalmusikdirektor in Bremen neue Formen der Musikvermittlung und des Zugangs zum Orchester ermöglichen will.

Kostproben

Vor den großen Konzerten im Brucknerhaus sind "Kost-Proben" um die Mittagszeit geplant. Besucher dürfen Probenluft schnuppern, danach ist beim Essen Zeit für einen Plausch mit den Künstlern. In der seit 15 Jahren bewährten Schiene "Move on" wird auch unter Poschner Musikvermittlung für Kinder und Jugendliche großgeschrieben. Probenbesuche und Workshops wird es weiter geben. Neu ist die "Anhörung": Poschner und sein Orchester spielen an der Bruckner Privatuni Werke junger Komponisten.

Klare Ansprüche formuliert der 46-jährige Chefdirigent zur künftigen Relevanz des BOL. Er möchte die "Deutungshoheit" bei der Interpretation der Bruckner-Werke erlangen. Und weiters: "Wir wollen die Spezialisten bei österreichischer und deutscher Symphonik sein." Besonders interessiere ihn die musikalische Frage nach der "oberösterreichischen DNA und dem oberösterreichischen Dialekt im Musizieren".

Präsenz

Dennis Russell Davies, der das Bruckner Orchester 15 Jahre lang großartig weiterentwickelt habe, bekommt von Poschner großes Lob. Er selber möchte die Präsenz des Klangkörpers weiter ausbauen: Als Spielorte stehen Wien, Salzburg oder Bregenz an. Im Mai 2018 steht eine England-Tournee (London, Edinburgh, Sheffield...) am Plan.

Zum Musikprogramm: Sein Debüt am Musiktheater gibt Poschner im September mit der aufwendigen "Frau ohne Schatten" von Richard Strauss. Im BOL-Repertoire des ersten Jahres werden Bruckner, Mahler Mozart, Schönberg oder Beethoven zu hören sein. Als "Ersten Gastdirigent" hat Poschner Bruno Weil nach Linz geholt.