Neue Indizien im Fall Braunau

Die Ermittler stellten fest, dass sich der Verdächtige im Internet über Tötungsmöglichkeiten informiert hatte.

Im Fall der tödlichen Messerattacke unter Gymnasiasten in Braunau scheint es nun eine brisante Wendung zu geben. Ermittlungsergebnisse der Polizei deuten daraufhin, dass der 17-jährige Verdächtige Ivan D. seinen 16-jährigen Schulfreund Sebastian D. gezielt getötet haben könnte.

Der junge Mann, der wegen akuter Suizidgefahr seit Wochen in der forensischen Abteilung der Landesnervenklinik Wagner Jauregg in Linz interniert ist, soll sich bereits Tage vor der Bluttat im Internet über Tötungsmöglichkeiten informiert haben. Untersuchungen eines von der Polizei beschlagnahmten Computers hatten gezeigt, dass der 17-Jährige mit Hilfe von eindeutigen Suchbegriffen bei Google recherchiert haben dürfte.

Das bestätigt auch sein Rechtsanwalt, der Salzburger Strafverteidiger Franz Essl. Der Verdächtige wurde kürzlich in seiner Gegenwart mit belastenden Indizien konfrontiert. Ivan D. wollte dazu aber nicht viel sagen. „Er hat nur erklärt, dass er sich an nichts mehr erinnern kann“, betont Essl.

Dass sich sein Mandant nicht einmal an Vorfälle erinnern könne, die sich 20 Tage vor der Tat ereigneten, sei problematisch. „Das ist ungewöhnlich – die Ermittlungsergebnisse belasten schon sehr.“ Es wurden auch SMS ausgehoben, aus denen hervorgeht, dass die Beziehung der Schüler ungewöhnlich intensiv gewesen sein dürfte.

 

Blackout

Der gerichtliche Sachverständige, Ernst Griebnitz, muss klären, ob bei Ivan D. eine psychische Erkrankung vorliegt und ob er bei der Tat zurechnungsfähig war. Das Ergebnis dürfte frühestens nächste Woche vorliegen.

Bei der Staatsanwaltschaft Ried will man sich zu den neuen Indizien vorerst nicht äußern. „Solange die Ermittlungen nicht abgeschlossen sind, gehen wir mit keinen Informationen an die Öffentlichkeit“, erklärt Staatsanwalt Alois Ebner. Es stehen auch noch Blutanalysen aus.

Wie berichtet, behauptete Ivan D. von Anfang an gegenüber den Ermittlern, ein Blackout gehabt zu haben. Von den tödlichen Stichen wisse er nichts. Er könne sich nur an jenen Moment erinnern, als er seinen Freund Sebastian plötzlich tot in der Wohnung liegen und überall Blut gesehen habe. Dann habe er versucht, sich selbst das Leben zu nehmen.

( Kurier ) Erstellt am 02.01.2012