Chronik | Oberösterreich
06.04.2013

Mit Stifter übers böhmische Meer

Das Familienunternehmen Dorn-Fussenegger setzt auf die Schifffahrt und Immobilien.

Der schwierige und teure Transport hat sich gelohnt. Ganz Oberösterreich hielt im April des vergangenen Jahres den Atem an, als die 50 Meter lange Adalbert Stifter aus der Donau gehoben, auf einen Spezialtransporter verladen und quer durch Linz und das Mühlviertel an den Moldaustausee – das böhmische Meer – gebracht worden ist. Lukas Dorn-Fussenegger, Unternehmer und Fraktionsführer der Grünen im Leondinger Gemeinderat, darf zufrieden sein.

46.000 Passagiere nutzten 2012 seine drei Schiffe für einen Ausflug. 2001 waren es 12.000. Für den 60-jährigen Sohn des Künstlerehepaares Alois Dorn (Bildhauer) und Gertrud Fussenegger (Schriftstellerin) sind die Investitionen im Böhmerwald eine zweifache Rückkehr.

Sein Urgroßvater Adalbert Häßler war einer der Mitbegründer der Brauerei in Pilsen. „Er hat 1842 die erste Bilanz unterschrieben. Die Familie hat drei Generationen lang von der Brauerei gelebt.“ Seine Mutter Gertrud Fussenegger wurde 1945 aus Tschechien vertrieben.
1988, noch zur Zeit der Kommunisten, machte die Familie einen 14-tägigen Urlaub am Moldaustausee. „Damals durfte man die Hälfte des Sees aus Sicherheitsgründen (wegen der Nähe des Eisernen Vorhangs, Anm.d. Red.) nicht beschwimmen.“ Sie wohnten im Haus des damaligen See-Direktors. Als er 1990 Milan Klapa wieder traf, erzählte ihm dieser von den Schwierigkeiten mit seinem deutschen Partner, mit dem er die Schifffahrt betrieb.

Erbschaftsverfahren

Nach Klärung komplizierter Erbschaftsverfahren – Klapa war verstorben – konnte Dorn-Fussenegger alle Anteile der „Rosenberger Lipno Linie“ erwerben. Gleichzeitig baute er sich mit Immobilien ein zweites Standbein auf. 1997 kaufte er das erste Grundstück am See. Heute hat er 19 Liegenschaftsgesellschaften mit 165 Hektar Seegrund.

Derzeit errichtet er ein neues Dorf mit 52 Häusern. Sie verfügen über Wohnflächen von 76 bis 117 und kosten zwischen 216.000 und 310.000 Euro. „Die Leute, die sich ansiedeln, sind alle sehr gebildet. Ärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte, die Erholung suchen und hier eine Wertsteigerung sehen. Die Käufer sind im Wesentlichen Österreicher.“

Um die Immobilienentwicklung kümmert sich vor allem die 29-jährige Tochter Anna. Dass sich der Moldaustausee so entwickelt hat, ist vor allem dem Engagement von Lipnos Bürgermeister Zdenek Zidek zu verdanken. Er machte sich stark für den Ausbau der Infrastruktur und konnte den Wettbewerb mit der Nachbargemeinde Horni Plana (Oberplan, Geburtsort von Adalbert Stifter) für sich entscheiden.

Nächtigungen

Die Zahl der Nächtigungen stieg von 110.000 im Jahr 2001 auf 560.000 im vergangenen Jahr. In Tirol kaufte er einen ausgemusterten Lift und ließ ihn im Böhmerwald wieder aufbauen. Er punktete vor allem bei den holländischen Gästen. Im Winter ist eine elf Kilometer lange Strecke auf dem zugefrorenen See schneefrei, damit diese ihrer Eislauf-Leidenschaft frönen können. Seine Vision ist es, aus dem See ein Mekka ähnlich dem Kärntner Weißensee zu machen. Mit der Erwartung, dass die Holländer lieber ans böhmische Meer als nach Kärnten fahren, weil es näher und günstiger ist. Das Bier kostet lediglich einen Euro.

Die Familie Dorn-Fussenegger muss nicht mehr überzeugt werden. „Uns gefällt hier die Nachhaltigkeit. Motorboote und Jetskis sind verboten. Der See ist für alle zugänglich, das Wasser viel wärmer als im Salzkammergut.“