Der Westgrad der Kremsmauer

© Josef Leitner

Chronik Oberösterreich
09/02/2019

Mit Schubert auf die Kremsmauer

Franz Schubert soll in Steyrling zu seinem Forellenquintett inspiriert worden sein

Es ist ein besonderes Gefühl, in Steyrling im Gastgarten des Wirtshauses Zur Kaiserin Elisabeth zu sitzen und an das Forellenquintett von Franz Schubert zu denken. Vor exakt 200 Jahren soll er hier dazu inspiriert worden sein. 1883 war auch Kaiserin Elisabeth zu Gast und hat die Umgebung genossen.

Stammtisch

Eine Männerrunde hat sich zum wöchentlichen Kaiserin-Elisabeth-Stammtisch zusammengefunden. Ein Faktotum ist der fast 90-jährige Hans Dirisamer, ein Tausendsassa mit mehreren Spitznamen wie „Lugner von Steyrling“ oder „Rosenkavalier“. Viele Berufe hat er ausgeübt, darunter auch Motorradrennfahrer. Er kennt so manche erstaunliche Geschichte: Vom Hirsch Rudolf, der 15 Jahre gänzlich zahm im Dorf gewohnt hat, sich von Hand füttern ließ und sogar an Begräbnis-Prozessionen teilnahm. Oder von mehreren Sensenschmieden, die vom Wasser des Traglbachs betrieben wurden, einem alten Pulverturm im Dorf oder von Viktor Schauberger, der hier seine Experimente mit belebtem Wasser durchgeführt hat, das auch heute noch eingesetzt wird.

Rasender Wirt

Der Wirt Sigi Schwarz hat ebenfalls eine schillernde Karriere als Rallyefahrer vorzuweisen und sich den schillernden Beinamen „Rasender Wirt“ erworben. Fünf Mal war er Staatsmeister. Prominente Fahrerkollegen wie Gunther Philipp waren seine Begleiter.

Herrschaftliches Jagdgebiet

Lange Zeit waren die Wälder um Steyrling herrschaftliches Jagdgebiet. Der pensionierte Förster Michael Kornek, der im Dienst der Herrschaft Schaumburg-Lippe stand, erzählt, dass über hundert Holzknechte beschäftigt waren. Heute erledigen diese Arbeit Maschinen und weniger als eine Handvoll Menschen. Günther Piesslinger ist ein Nachfahre der Betreiber von Sensenschmieden. Er kennt die industrielle Vergangenheit des Ortes: „Das heutige Dorf Steyrling entwickelte sich um mehrere Sensenschmieden am Traglbach, die um 1580 erstmals erwähnt wurden und bis nach dem Zweiten Weltkrieg in Betrieb waren. Bereits im 15. Jahrhundert erlaubte Kaiser Friedrich III. dem Stift Spital am Pyhrn, ein Bleibergwerk zu eröffnen. Es befand sich auf der Alm Kaltau am südlichen Abhang der Kremsmauer direkt am Wanderweg gelegen. Heute ist das Kalkwerk der voestalpine der wichtigste Arbeitgeber.“

Traglbach

Nach so viel bemerkenswerter Geschichte begeben wir uns in die Natur. Der Weg führt entlang des Traglbaches, wo wir allerdings keine Spuren der Sensenhämmer mehr entdecken. Ab dem Jagdhaus Tragl geht es zu Fuß für zweieinhalb Stunden auf die 1604 m hohe Kremsmauer. Die leicht ansteigende Forststraße bietet eine gute Gelegenheit, über die interessante Geschichte zu reflektieren. Oder ein Lernexperiment durchzuführen. Zum Beispiel vor einer bevorstehenden Reise nach Thailand die dortigen Zahlen zu lernen. Bei jedem Gehschritt wird eine Zahl laut ausgesprochen und immer wieder wiederholt.

Kaltau-Alm

So erreichen wir die Kaltau-Alm auf 1070 m, wo wir allerdings keine Spuren des Bleibergwerks mehr entdecken, dafür zahlreiche Hirschlosungen. Auf gut markiertem Weg steigen wir dem Gipfel zu, der zwischen Alm-, Krems- und Steyrtal liegt und zum Gebirgszug der nördlichen Voralpen in Oberösterreich gehört. Einige etwas schwierige Passagen sind mit Seilversicherungen versehen und können wie das steinig felsige Gelände mit der erforderlichen Trittsicherheit leicht bewältigt werden. Auf dem „Pyramide“ genannten Gipfel werden wir mit einem großartigen Ausblick auf das Tote Gebirge und das Alpenvorland belohnt.

Autor: Josef Leitner