Mathilde Schwabender mit ihrem neuen Buch über Frauen an der Spitze von Mafia-Clans .

© /foto-reiter.com | A. Reiter

M. Schwabeneder
10/11/2014

Mafia-Bosse im Rock

Die ORF-Korrespondentin hat ein Buch über Patinnen verfasst.

von Josef Ertl

Sie ist nicht nur eine Kennerin Italiens und gefragte ORF-Korrespondentin, sie entwickelt sich auch zur Bestseller-Autorin. Ihr erstes, vor einem Jahr erschienenes Buch Franziskus. Vom Einwandererkind zum Papst liegt bereits in der vierten Auflage vor. Nun bringt sie mit Die Stunde der Patinnen. Frauen an der Spitze der Mafia-Clans neuerlich einen rekordverdächtigen Titel heraus.

"Das Thema beschäftigt mich bereits seit den 1980-er Jahren", sagt die gebürtige Welserin Mathilde Schwabender-Hain, die seit 2007 ORF-Auslandskorrespondentin in Rom ist. "Damals waren die Zeitungen voll von Mafia-Berichten. Es gab viele Anschläge und Morde. Als 1992 der Ermittler Giovanni Falcone, seine Frau und seine drei Leibwächter mit einer Bombe ermordet worden sind, hat mich das total betroffen gemacht." Sie habe sich immer wieder mit dem Thema auseinandergesetzt, "und irgendwann fragt man sich, was ist mit den Frauen? Es wurden immer wieder welche verhaftet." Schwabeneder beschreibt ihre Biografien und Entwicklungen. "Frauen haben in der Mafia schon immer eine Rolle gespielt, schon alleine als Mütter, als Erzieherinnen. Sie sind Trägerinnen des Wertekodex." Wenn Bosse verhaftet worden seien, seien oft Frauen nachgerückt. "Sie übernahmen die Rollen, wenn man es ihnen zugetraut hat. Oft sind es die Schwestern, aber auch die Ehefrauen." Das zeige, dass sie über alles Bescheid wussten, die Strukturen kannten und sie über eine entsprechende Persönlichkeitsstruktur verfügten, um das umsetzen zu können.

Die Mafia sei nach wie vor sehr stark, sie schaue aber heute anders aus als in den 1990ern. Es gebe keine Kriege und Anschläge mehr. Sie agiere stärker im Wirtschaftsbereich. Dadurch sei sie unauffälliger.

Das Buch endet mit aktuellen Bezügen. "Man weiß bis heute nicht, wer hinter dem Mord an Falcone steckt. Das beschäftigt die Gerichte noch immer. Viele Staatsanwälte gehen davon aus, dass zwar die Mafia die ausführende Hand war, die lenkenden Hände aber andere waren. Man redet von einem Pakt zwischen Staat und Mafia, damit die Terroranschläge aufhören. Wie aktuell das ist, zeigt, dass der Staatspräsident dazu vernommen werden soll, der dies aber abgelehnt hat. Nun soll es aber doch zu einer Einvernahme kommen."

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