Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

Lehrerin entsorgte Drogentoten wie Abfall

20-Jähriger starb bei der Suchtgiftparty ihrer Tochter an einer Überdosis.

Wie ein Stück Müll soll eine 54-jährige Lehrerin Anfang Dezember 2010 die Leiche eines 20-jährigen Präsenzdieners aus Kirchdorf entsorgt haben. Der junge Mann war in ihrem Haus während einer Drogenparty ihrer Tochter an einer Überdosis gestorben. Am Freitag mussten sich beide Frauen sowie der 20-jährige, ebenfalls süchtige Ex-Freund der Tochter in Ried vor Gericht verantworten.

Staatsanwältin Ute Peyfuß wirft Sophie S. "fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen" vor. Deren Mutter, Mathilde S., ist wegen Störung der Totenruhe, Unterdrückung von Beweismitteln, dauerhafter Sachentziehung und Sachbeschädigung angeklagt. Der 20-jährige Timo W. soll ihr beim Abtransport der Leiche geholfen haben.

Sophie S. (20) ist seit Jahren abhängig. Zurzeit befindet sich die arbeitslose Visagistin in einem Drogenersatzprogramm und bekommt täglich in der Apotheke Substitol verabreicht. Am Freitag, dem 3. Dezember 2010, holte sie sich ihre Dosis für das Wochenende ab. Timo S. und sein Grundwehrdienerkollege René P. kamen zu Besuch. "Ich habe im Haus eine eigene Wohnung. Die Mama weiß über meinen Drogenkonsum Bescheid - daher kann ich Partys feiern, ohne, dass ich mich zurückhalten muss."

Auch an jenem Wochenende war es so: Marihuana, Tabletten, Mephedron. Timo W. behauptet, Sophie S. habe René P. auch einen Teil ihres Drogenersatzstoffs gespritzt. Die 20-Jährige bestreitet das: "Er muss es sich unbemerkt selbst genommen haben."

Am Sonntag sei er tot gewesen. Mathilde S. wurde alarmiert - deren erste Reaktion: "Keine Rettung, keine Polizei." Mit Timos Hilfe packte sie die Leiche ins Auto, fuhr nach Wels und legte sie neben der Straße in den Schnee: "Ich wollte keinen Skandal."
Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.