Chronik | Oberösterreich
28.05.2017

"Langfristig im oberen Drittel spielen"

Der Präsident verfolgt einen genauen Fahrplan zur Etablierung des LASK an der Spitze.

Der Unternehmer Siegmund Gruber (43) ist Präsident des LASK, der heuer wieder in die Bundesliga aufgestiegen ist.

KURIER: Was bedeutet der Aufstieg des LASK für Sie? Siegmund Gruber: Einen Schritt in die richtige Richtung. Wir sind noch lange nicht angekommen, wo wir hinwollen. Wir wollen mit dem Stadion unsere Hausaufgaben machen, damit wir langfristig erfolgreich in der Bundesliga sein können.

Was ist das Fernziel?

Ich vergleiche das gerne mit einem Triathlon. Wir sind nach 3,8 Kilometern Schwimmen mit einer guten Zeit gerade aus dem Wasser gestiegen. Wenn wir schon 180 km Rad gefahren wären, hätten wir den Bau des eigenen Stadions erreicht. Die 42 km Marathon wäre die endgültige Etablierung des LASK im oberen Drittel der Bundesliga. Wir wollen oben mitspielen können. Ich halte wenig von einer Vision des Meistertitels. Wir können nur jeden Tag arbeiten, damit wir infrastrukturell, organisatorisch und sportlich die besten Rahmenbedingungen schaffen.

Das heißt, der LASK will auch international mitspielen.

Im oberen Drittel mitspielen heißt auch, dass wir das eine oder andere Mal auch international mitspielen.

Was heißt langfristig? Fünf oder zehn Jahre?

Wenn das Stadion 2022 fertig ist, dann versuchen wir, uns langfristig im oberen Drittel zu etablieren.

Was motiviert Sie, sich so massiv für den Verein einzusetzen?

Mir ist es im Leben gut gegangen, ich habe mir selbst alles erarbeitet, ich habe nichts ererbt. Wir leben in einem wunderschönen Bundesland. Ich will etwas zurückgeben. In die Politik will ich nicht gehen. Fußball war schon immer etwas, was mich interessiert hat. Wir sollten eben für unsere Jugend etwas machen. Wir wollen Vorbilder schaffen, damit die Kinder von der Straße wegkommen und nicht zu Drogen oder Alkohol greifen. Für den Breitensport braucht man auch den Spitzensport. Die Jungen brauchen Idole.

Wir wollen die Talente hier weiterentwickeln, damit nicht die besten Spieler in andere Bundesländer abwandern.

Präsident zu sein ist arbeits- und zeitintensiv. Wie schaffen Sie das neben ihrer unternehmerischen Tätigkeit?

In den Firmen habe ich Geschäftsführer, da bin nur für strategische Entscheidungen zuständig. Beim LASK bin ich operativ viel stärker involviert als in meinen anderen Firmen. Das ist zurzeit so.

Wie viele Stunden pro Woche wenden Sie für den LASK auf?

Um die 60 Stunden.

Was machen Sie konkret? Sie haben ja momentan keinen Geschäftsführer.

Das beginnt bei der Infrastruktur des Stadions bis zur finanziellen Lage, bis hin zur neuen Linie bei den Dressen und bis zu den Sponsoren. Wir können momentan nicht auf mehr personelle Ressourcen zurückgreifen. Es fällt relativ viel an. Ich muss bei vielen Entscheidungen mit dabei sein. Es sind viele Dinge, die ein Geschäftsführer erledigen sollte, aber wir haben Alex Friedl verloren.

Wann kommt ein neuer Geschäftsführer?

Wir haben momentan nichts geplant. Wir haben die Aufgaben auf mehrere Köpfe aufgeteilt. Die Letztentscheidungen treffe ich. Wir werden die momentanen Strukturen beibehalten.

Der Aufstieg in die oberste Liga macht mehr Geld notwendig. Welches Budget ist vorgesehen?

Es werden rund sieben Millionen Euro sein, um zwei Millionen mehr als bisher.

Stecken Sie selbst auch Geld in den Verein?

Klar. Jeder Freund des LASK ist dazu verpflichtet. Ich halte gemeinsam mit Christoph Königslehner 17,5 Prozent. Pro fünf Prozent muss man jährlich mindestens 52.000 Euro einbringen.

Ein großes Projekt ist das neue Stadion, das 2022 fertig sein soll. Ex-Geschäftsführer Friedl hat bei einer Fan-Versammlung erklärt, dass man schon ein Grundstück im Auge habe. Wo wird das Stadion stehen?

Im Zentralraum Linz, der neben Linz auch die Umlandgemeinden umfasst.

Ist das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Linzer Bürgermeister Klaus Luger verhärtet?

Von meiner Seite nicht.

Wie würden Sie es selbst beschreiben?

Ich hab e keine Animositäten gegen ihn.

Der LASK ist ein Linzer Verein. Er sollte eigentlich in Linz beheimatet sein.

Wir verlassen uns bei der Entwicklung des Stadions auf Profis. Die Standorte werden skaliert mit Wertigkeiten, Grundpreisen, Umweltverträglichkeitsprüfungen etc. Wir haben drei Standorte auf der Shortlist. Wichtig ist auch die politische Unterstützung. Schließlich und endlich gibt es eine Gesamtentscheidung für das Projekt. Der LASK ist zwar ein Verein mit Linzer Wurzeln, aber er ist auch ein oberösterreichischer Verein.

Was wird das neue Stadion kosten. Die Rede ist von 50 Millionen Euro?

Nein, das ist zu viel. Aber mit 35 bis 40 Millionen wird man rechnen müssen.

Das wäre dann ein vereinseigenes Stadion?

Das wäre ein vereinseigenes Stadion bzw. ein Stadion, auf das der LASK definitiv den Zugriff hat. Wir müssen dort entscheiden können, wann wir die Tür aufsperren und wann wir sie zusperren.

Kann sich das Stadion durch entsprechende Bewirtschaftung selbst finanzieren?

Man braucht einen gewissen Anschub an Förderungen. Ähnlich wie in Wien beim Rapid-Stadion.

Wie viel waren es dort?

Die Rapid hat 20 Millionen Euro an Förderungen bekommen plus das Grundstück. Es werden Kulturstätten zur Gänze von der öffentlichen Hand voll bezahlt, warum also sollten Sportstätten nicht eine Teilförderung bekommen? Der Verein wird eben selbst auch einen großen Anteil dazu zahlen. Unter anderem werden die Freunde des LASK für das Grundstück aufkommen.

Sowohl Landeshauptmann Thomas Stelzer als auch Michael Strugl haben erklärt, Geld für den Bau in die Hand zu nehmen.

Ich nehme stark an, dass sie zu ihren Zusagen stehen. Beide haben bisher immer ihr Wort gehalten.

Gibt es für Sie Vorbilder?

Sicherlich Ulli Höneß, bis auf die Tatsache, dass er Steuern hinterzogen hat, wofür er aber seine Strafe abgebüßt hat. Er ist auch ein Vorbild als Unternehmer. In den 1960er-Jahren war 1860 München der mitgliederstärkste Verein und nicht die Bayern. Heute gehört ihnen die Allianz-Arena, die jede Woche ausverkauft ist und sie stehen wirtschaftlich auf soliden Beinen ohne, dass ein großer Investor notwendig ist, der die Gefahr birgt, dass er von heute auf morgen aussteigt. Wie wir das gerade in Horn erlebt haben. Es ist nie gut, wenn ein Verein von einer Person abhängig ist.

Sind die Bayern ein Vorbild für den LASK?

Das ist ein sinnloser Vergleich. Wir haben in Österreich weder die wirtschaftlichen Möglichkeiten noch die Größe der Bevölkerung, dass wir in diese Sphären kommen könnten. Wir müssen in Österreich unseren eigenen Weg gehen. Den muss die gesamte Bundesliga finden. Und auch jeder Verein, wenn wir in einem europäischen Wettbewerb reüssieren möchten.

Wird es gravierende Neuzugänge bei den Spielern geben?

Nein, der Kern der Mannschaft steht. Wir werden uns auf drei, vier Positionen verstärken, weil wir Leistungsträger wie Fabiano verloren haben. Wir haben immer stark auf unseren Eigenbau gesetzt. Unser Mannschaftsstamm ist ganz jung. Ich bin überzeugt, das wir nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden. Stars könnten wir uns gar nicht leisten.