"Komme nur als Intendant zurück"

© Bild: Reinhard Winkler

Der Publikumsliebling des Linzer Landestheaters, Karl Sibelius, verabschiedet sich im Sommer in Richtung Niederbayern.

Kaum eine große Produktion in den vergangenen Jahren am Landestheater, in der nicht Karl M. Sibelius die Hauptrolle spielte. In seinen 20 Jahren als Ensemblemitglied sowohl für klassische Schauspielrollen als auch für Musicals und Operetten avancierte er zum Publikumsliebling. Im Sommer endet sein Vertrag in der Landeshauptstadt und er übernimmt die Intendanz im kleinen Mehrspartenhaus Theater an der Rott im bayrischen Eggenfelden.

Beinahe wehmütig zieht der Künstler Bilanz über seine Zeit in Linz. "Es war unglaublich schön und bereichernd. Dass mir eine Welle an Sympathien entgegenschlägt, ist ein Privileg, weil ich nicht so lebe, wie es der Norm entspricht."
Der Schauspieler und Regisseur ist vor sechs Jahren mit seinem Privatleben an die Öffentlichkeit gegangen, weil er als erster Homosexueller in Österreich ein Kind adoptiert hat.

Verhasste Rolle

Besonders geprägt hätten ihn im Haus an der Promenade "Hamlet" in der Inszenierung von Gerhard Willerts und die Titelrolle in Bert Brechts "Der gute Mensch von Sezuan." "Das war der Wahnsinn, weil es so radikal war und das Publikum erreicht hat." Überraschenderweise hat er den Frank N Furter der "Rocky Horror-Show" überhaupt nicht gerne gespielt, obwohl er dafür gefeiert wurde und das Publikum ganz aus dem Häuschen brachte. "Ich war so unglücklich mit der Form und habe mich mit dem Regisseur oft gestritten."

Wobei er auch zugibt, dass es für Spielleiter oft nicht einfach sei, mit ihm als Schauspieler zusammenzuarbeiten. "Ich bin sehr exponiert." Dennoch sei er kein Egomane, sondern ein sozialer Mensch. "Als Regisseur und Intendant bin ich sehr nett." Und trotzdem seien Konflikte gar nicht mal so schlecht. "Die Kunst braucht Reibung."

Im vergangenen Jahr hat seine Kündigung am Landestheater für Aufsehen gesorgt, weil er keine künstlerischen Herausforderungen mehr gesehen habe und er nicht die Musical-Abteilung im neuen Musiktheater übernehmen durfte. Und dabei ist er "kein absoluter Musicalfan". Er habe sich aber mit dem Genre intensiv auseinandergesetzt, nachdem ihm die Leitung der Gattung angeboten wurde.

Keine Stars

Sibelius hätte vorgehabt, "keine Massenware" an das Haus an der Blumau zu bringen. Dadurch werde es nämlich bloß austauschbar. "Es gibt nicht nur 'Cats' oder 'Hairspray'. Ich hätte Off-Broadway-Produktionen wie 'Billy Elliot' gebracht." Außerdem hätte er kein fixes Musical-Ensemble engagiert, so wie das jetzt der Fall sei, sondern nur Leute geholt, die zum Zeitpunkt einer Produktion gebraucht werden. "Ich habe ein anderes Theaterverständnis und würde keine Stars holen, die viel Geld kosten. Und die wirklich Großen kommen nicht nach Linz, weil die interessiert das nicht."

In Eggenfelden, wo er ab der Saison 2012/13 künstlerischer Leiter sein wird, möchte er das zumindest so umsetzten und Akteure nur stückweise zu beschäftigen. Über das genaue Programm, das er plant, darf er noch nicht viel verraten. Nur so viel: "Der Verschwender" von Ferdinand Raimund wird am Spielplan stehen.

Tragödie

Sibelius selbst wird den Valentin geben. "Das war schon ein Kindheitstraum von mir. Ich fühle mich mit Raimund sehr verbunden, der mit dem Schreiben von Tragödien ernst genommen werden wollte."
Eine Rückkehr nach Linz ist nicht völlig ausgeschlossen. Ich komme aber nur, wenn man mich als Theaterleiter engagiert. Das ist eine klare Ansage, doch das wissen die Verantwortlichen."

Von TV-Show auf die Bühne

Der gebürtige Vorarlberger Karl M. Sibelius studierte Schauspiel und Gesang in Wien und Berlin. Start der erfolgreichen Karriere des heute 42-Jährigen war die Teilnahme an der Fernsehshow "Die große Chance". Seither hat er an vielen Häusern im In- und Ausland gespielt. Seit dem vergangenen Jahr macht er eine Intendantenausbildung an der Uni Zürich. Im Landestheater wird er noch bis zum Ende der Spielzeit in der Oper "Nijinskys Tagebuch" zu sehen sein.
Er lebt mit seinem Partner und seinen zwei Kindern im Mühlviertel.

Erstellt am 05.12.2011