Chronik | Oberösterreich
18.02.2018

Jüdin im Schatten des Nationalsozialismus

Der Kulturverein Etty präsentiert "1938 – weg von Linz" ab 10. März in der Tribüne Linz.

Mit zehn Jahren hat sie den mörderischen Schatten der Nationalsozialisten in Linz miterlebt und musste flüchten: Die Jüdin Ilse Mass, geborene Rubinstein.

Basierend auf ihren Lebenserinnerungen entstand die szenische Lesung 1938 - weg von Linz. Anlässlich des 80-jährigen Gedenkens an den "Anschluss im März 1938" bringt sie der Kulturverein Etty auf die Bühne. Die Gastspiele in der Tribüne Linz starten am Samstag, 10. März, um 19.30 Uhr. Teil dieser Lesung sind Ilses Kindheit in Linz vor und nach dem "Anschluss", die atemberaubende Flucht nach Shanghai und die Ankunft in ihrer neuen Heimat Israel. Zusätzliches Material und Originalvideos mit der 80-jährigen Ilse Mass wurden von den Autoren des Buches "Weg von hier..." zur Verfügung gestellt und vom Produktionsteam in die Lesung eingearbeitet.

Familienproduktion

Die neunjährige Hannah Buchholz las die Tagebuchartige Geschichte "Weg von hier..." und war so begeistert, dass sie sagte, sie möchte sie unbedingt auf einer Bühne lesen und spielen. So kam es, dass Schauspielerin Bettina Buchholz und ihre beiden Töchter Hannah (9) und Helene (15) ab März gemeinsam die besondere Lebensgeschichte von Ilse Mass lesen und spielen. Bühnenfassung und Inszenierung stammen beide von Buchholzs Ehemann Johannes Neuhauser. Er ist systemischer Psychotherapeut und Regisseur von Dokumentarfilmen. Für die Musik verantwortlich zeichnet Günther Gessert. Der Linzer Musiker hat sich seit den 1990er-Jahren auf das Theremin spezialisiert. Dieses elektronische Instrument wurde 1920 in Russland erfunden und ist berührungslos spielbar.

Die Geschichte von Ilse Mass ist eine tragische: Eine scheinbar unbeschwerte Kindheit erlebt Ilse Mass in Linz: Ihre Vorliebe gilt dem Spielplatz im Volksgarten. Es gibt Familienausflüge auf den Freinberg und den Pöstlingberg, Schifffahrten auf der Donau und Krapfen und Erdbeerschiffchen in einer Linzer Konditorei.

Hautnah erlebt

Alles änderte sich, als sie zehn Jahre alt war. Vom Fenster der elterlichen Wohnung aus beobachtet sie den triumphalen Empfang, den die Linzer Adolf Hitler bereiten. Plötzlich geht alles sehr schnell: Das Bekleidungsgeschäft ihres Vaters an der Landstraße wird arisiert und die Familie muss die Wohnung verlassen. Ihr Vater kommt ins Konzentrationslager. Sie darf ihre Volksschulklasse in der Mozartschule nicht mehr besuchen. Hautnah erlebt sie den Brand der Linzer Synagoge und wie ein Mann der nationalsozialistischen Organisation Schutzstaffel ihrer Mutter den Revolver an den Kopf hält.

Durch den Aufenthalt Hitlers in Linz vom 12. bis 14. März 1938 war die Stadt für 36 Stunden Mittelpunkt des weltpolitischen Geschehens. Die Lesung bringt Eindrücke des Lebens von Ilse Mass, die diese Zeit als Kind erlebt hat.