Inzest-Verdacht: Vater in U-Haft

Über den 80-jährigen Verdächtigen im Innviertler Missbrauchsfall wurde am Freitag die U-Haft verhängt.

Scheinbar ahnungslose 2400 Einwohner zählt die kleine Innviertler Gemeinde, die sich dieser Tage in einer Schockstarre befindet. Der Ortskern gleicht einem Geisterdorf. Die wenigen älteren Passanten werden auf dem Gehweg von Reportern belagert.

Die Kernaussage ist immer dieselbe: Keiner will etwas gesehen, gehört oder gewusst haben. Geahnt habe man jedoch schon etwas, wie einige kleinlaut zugeben, aber "wer weiß schon, was die Leute treiben. Wir schauen den Nachbarn nicht ins Fenster."

Untersuchungshaft

In diesem Haus sollen die jahrelangen Misshandlungen stattgefunden haben.
© Bild: PETSCHENIG PICTURENEWS.AT

Über den 80-jährigen Verdächtigen im Missbrauchsfall wurde am Freitag die Untersuchungshaft verhängt. Er soll seit 1970 seine beiden Töchter - heute 53 und 45 Jahre alt - regelmäßig sexuell missbraucht und körperlich misshandelt haben. Der Mann streitet weiter vollständig die Taten, die ihm zur Last gelegt werden, ab und hat einen Verteidiger beantragt. Die geistig beeinträchtigten Frauen, die im Volksschulalter auch von einem Bekannten ihres Vaters misshandelt worden sein sollen, werden in einer "adäquaten Einrichtung", einem "gut geführten Haus" unterkommen, kündigt Bezirkshauptmann Georg Wojak an.

Prächtiges Anwesen

In diesem Haus sollen die jahrelangen Misshandlungen stattgefunden haben.
© Bild: PETSCHENIG PICTURENEWS.AT

Das Haus ihres jahrzehntelangen Martyriums liegt etwas außerhalb des Ortszentrums, umringt von hohem Gras hinter dichten Bäumen. "Wie ein Hexenhaus", murmelt ein Passant, der mit seinem Hund den Weg entlangspaziert. Ortsansässige nennen es ironisch "die Villa", weil es früher ein prächtiges Anwesen war, inzwischen aber heruntergekommen ist. Der Beschuldigte habe nicht die Frau, sondern "die Villa geheiratet". Er selbst habe nichts getaugt, heißt es.

Die Familie habe sehr zurückgezogen gelebt - nur selten sah man die Mädchen im Garten beim Spielen. Dass sie alleine auf die Straße gehen, wusste die Mutter zu verhindern. "Sie hat die Mädchen jeden Tag an der Hand zum Schulbus geführt, sprechen durften sie mit niemandem", erzählt Erna R.

Dass sich die Familie nicht ins öffentliche Leben eingebracht hat, erklärte man sich durch die scheinbare geistige Behinderung der beiden Opfer. "Wenn sich irgendjemand mit den Mädchen abgegeben hätte, wäre dem schon viel früher ein Ende gesetzt worden", sagt der 90-jährige Alois B.

"Die beiden waren nicht behindert. Meiner Ansicht nach waren sie von den Geschehnissen so eingeschüchtert, dass sie nie ein normales soziales Verhalten gelernt haben. Sie wurden einfach in die Sonderschule abgeschoben und dann hat keiner mehr nachgefragt", meint Sabine R., eine ehemalige Schulkollegin der beiden Opfer.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011