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Chronik Oberösterreich
03/03/2012

Innviertlerische Sprachkunst

Dialektgedichte und Architektur. Der aus Schalchen stammende Friedrich Achleitner ist in beiden Sparten eine Koryphäe.

von Daniel Voglhuber

In den 1950er-Jahren wurden Friedrich Achleitner und seine Kollegen der Wiener Gruppe bei einer Lesung vom erbosten Publikum mit „Ab ins Gas!“ beschimpft. Heute haben Achleitners Innviertler Dialektgedichte längst Eingang in den literarischen Kanon gefunden. Auf die Qualitäten der Muttersprache stieß der Literat und Architekturpublizist erst in Wien. Durch die Distanz seien ihm die Besonderheiten aufgefallen.

Schlicht

„Ländliche und bäuerliche Dialekte sind Arbeitssprachen. Es sind kurze Formeln und jeder weiß, worum es geht.“ Komplexe Themen würden nicht beschrieben. „Ich habe mich nie erinnert, dass psychologische Sachen im bäuerlichen Milieu diskutiert wurden.“ Außerdem sei das Leben am Land öffentlich und man wisse sowieso über die anderen Ortsbewohner Bescheid, dadurch brauche man nicht viel reden.

Erstmals mit Dialektgedichten in Kontakt gekommen ist Achleitner als Zehnjähriger bei einer Mostrunde im elterlichen Haus in Schalchen. „Der Ebner Sigi aus Mattighofen hat Verse von Franz Hönig zitiert wie die ‚Verhängnisvolle Sau‘ oder ‚Die Bürgergard‘.“ Diese seien eine ironische Gesellschaftskritik gewesen. „Mit zehn Jahren hat mir der Inhalt gefallen.“ Aber auch die Sprache habe ihn schon fasziniert. Flugs sagt er zum Beweis einen Teil aus der „Bürgergard“ auf: „da finst as, grump und gropfert, hadschert, schirglert, wasserkopfert, wia’s da Herrgott gråd agrat gmåcht håt für die Bürgergard.“

Roman

Achleitner hat in den 1970ern auch den experimentellen quadratroman veröffentlicht, worin ein Quadrat der Held ist, aus dem ständig neue sprachliche oder grafische Elemente entstehen. Ein wirklich erzählerisches Werk in Mundart habe ihn nie gereizt. „Dialekt ist für die epische Sprache nicht geeignet. Dazu ist das Vokabular zu wenig.“ Außerdem würden im Roman Bereiche behandelt, in die die Mundart nicht hineinreicht. Das sei auch das Problem der Dialektdichtung des 19. Jahrhunderts gewesen. Franz Stelzhamer habe mit den Gedichten der Hochsprache gewetteifert. „Mich hat am Dialekt immer das Kurze, das Unmittelbare interessiert, nicht die Beschreibung.“

Von den Künstlern, die heute die oberösterreichische Mundart verwenden, gefällt Achleitner der in Linz lebende Fritz Lichtenauer. Und auch zwei Musiker haben es ihm angetan. „Attwenger sind für meine Begriffe sehr interessant.“

Nachdem er Jahrzehnte lang das Bundesgebiet für sein Opus Magnum Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert vermessen hat, möchte sich Achleitner wieder verstärkt der Literatur zuwenden.

Über zehn Jahre hinweg war er ab 1962 Baustilkritiker bei der Tageszeitung Die Presse. Nach Veröffentlichung seiner Artikel blies ihm auch öfter ein rauer Wind entgegen. „Das ging bis zum Stornieren aller Inserate vom Innsbrucker Bürgermeister. Er hat es als geschäftsschädigend gesehen, was ich über das olympische Dorf geschrieben habe.“

Theater im Berg

Mittlerweile würde er sich, nachdem er das Standardwerk unter den Architekturführern geschrieben hat, schwertun, Kritiken über Gebäude zu verfassen. Über die, in den vergangenen Jahren in Linz errichteten Bauten, hat er eine zwiespältige Meinung. „Das Lentos ist eine gelungene Sache.“ Beim Musiktheater ist er enttäuscht über den gewählten Standort. „Ich hätte für den Schlossberg gekämpft. Das wäre einmalig auf der Welt gewesen, dass man direkt von der Altstadt die Oper betreten kann.“

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