Chronik | Oberösterreich
29.10.2017

Immer mehr Laien in Pfarrleitungen

60 Pfarren in der Diözese Linz werden durch ein Miteinander von Priestern und Laien geleitet.

Die Pfarre Freistadt wird seit einem Jahr nach einem für sie neuen Modell geleitet. An der Seite eines Priesters bilden Pfarrassistentin Irmgard Sternbauer und die Pastoralassistenten Wolfgang Gratzl und Ulrike Lengauer das hauptamtliche Leitungsteam. Hinzu kommt der Pfarrgemeinderat, ein gewähltes Gremium aus Haupt- und Ehrenamtlichen.

Das Modell Pfarrleitung durch Priester und Pfarrassistenten hat sich in der Diözese Linz seit seiner Einführung im Jahr 1994 bewährt. Mittlerweile werden 60 der 487 Pfarren auf diese Weise geleitet. In Freistadt konnte aufgrund des Priestermangels die Pfarrerstelle nicht mehr besetzt werden, weshalb diese Lösung gesucht wurde. Ausgebildete Frauen und Männer wie Irmgard Sternbauer sind für die Seelsorge verantwortlich. Sie assistieren den Christen bei der Vertiefung ihres Glaubens und begleiten die Pfarrgemeinde auf ihrem Weg als wachsende Gemeinschaft. Oftmals sind sie außerdem organisatorisch-leitend tätig. Sie arbeiten eng mit einem zuständigen Priester zusammen, der Pfarrmoderator genannt wird. Er nimmt vor allem die Aufgaben wahr, die eine Priesterweihe voraussetzen. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt meist außerhalb dieser Pfarre, weil er für mehrere Pfarren zuständig ist.

Kooperation statt Machtkampf

"Dieses Modell funktioniert nur im Miteinander und in der gegenseitigen Respektierung der unterschiedlichen Rollen", sagte Generalvikar und Kirchenrechtsexperte Severin Lederhilger dem KURIER. Entscheidungsprozesse in diesen Pfarren seien keine Frage von Macht, sondern von Kooperation.

Meist teilen sich die inhaltlichen Schwerpunkte im Team auf. "Ein offenes Ohr ist wesentlich, denn existenzielle Nöte gibt es nach wie vor", erzählt Sternbauer. Sie ist seit 13 Jahren als Pastoralassistentin, seit September 2016 als Pfarrassistentin in Freistadt tätig. Gratzl hat ein Augenmerk auf die jungen Menschen. "Es ist wichtig, ihnen zu zeigen, dass man etwas verändern kann."

Seit 70 Jahren gestalten Frauen und Laien im Allgemeinen die Seelsorge in der Katholischen Kirche in Oberösterreich und entlasten damit Priester in vielen Bereichen. Vorteile ergeben sich daraus auch in Zeiten des Priestermangels, wie in Freistadt sichtbar wird. "Wobei die Entstehung nicht aus dem Mangel heraus passiert ist", sagt Johann Hintermaier, Bischofsvikar für Bildung und Regens des Linzer Priesterseminars, gegenüber dem KURIER. "Es ist eine geschichtliche, gesellschaftliche Entwicklung, weshalb der Grundzugang die Kooperation ist."

Katholische Kirche setzt auf Laien

Zuständig für die Personalplanung ist die Personalstelle Pastorale Dienste mit der Abteilung für Priester und Diakone einerseits und jener für Pastorale Berufe, also für alle hauptamtlichen Laien im seelsorglichen Dienst, andererseits. In Oberösterreichs Pfarrseelsorge sind aktuell 340 Priester, rund 120 Diakone und 349 Laien tätig. Laien werden an 243 verschiedenen Dienstorten eingesetzt.

"Aktuell können wir die Posten der Laien noch besetzen. Aber wir haben keine Wartelisten und rechnen mit einer sinkenden Priesterzahl in den nächsten Jahren. Da braucht es verstärkt hauptamtliche Laien", sagt Brigitte Gruber-Aichberger, Direktorin der Pastoralen Berufe der Diözese Linz. Außerdem wünsche sie sich eine Öffnung für die hauptamtlichen Laien bei der Eheassistenz und der Tauferlaubnis. "Wir sind hier an das Kirchenrecht gebunden", sagt Lederhilger. Es seien für Laien bestimmte Möglichkeiten im Kirchenrecht vorgesehen, jedoch würden diese nur in Ausnahmefällen gelten. Man müsse prüfen, ob Österreich bereits in einer solchen Ausnahmesituation sei.

Bei einem Anteil von fast zwei Drittel Frauen in den Pastoralen Berufen wünscht sich Gruber-Aichberger auch mehr Männer in verschiedenen Bereichen. Es sei wesentlich, dass die Kirche trotz gesellschaftlicher Veränderungen nahe bei den Menschen ist. "Diesen Fokus müssen wir immer wieder neu buchstabieren, um die Menschen zu erreichen." Wie man den demnächst auch in den Pastoralen Berufen fehlenden Nachwuchs anlocken kann, wird derzeit stark diskutiert. Viele Vertreter der Diözese sind sich einig, dass das Sichtbarmachen von Berufszufriedenheit eine große Wirkung haben kann.

Vor 70 Jahren wurde mit Gertraud Scharmüller in der Pfarre Linz-St. Theresia die erste ausgebildete Seelsorgehelferin in der Diözese Linz angestellt – verpflichtet zur Ehelosigkeit. Was mit einem der damaligen Frauenrolle entsprechenden Wirken in Caritasarbeit, Kinderpastoral, Religionsunterricht und Kanzleiarbeit begann, birgt heute, 52 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und mehr als 40 Jahre nach der Diözesansynode, viele Berufschancen für Frauen und Männer.