Chronik | Oberösterreich
16.12.2017

Im Seniorenheim: "Schlafen können wir später"

Adventmärkte und Tanzabende statt früher Bettruhe im Seniorenhaus Bad Hall.

Dampfende Punschkessel, knisternde Feuer und das Prasseln der Bratwürstel am Grill. Im idyllischen Innenhof des oberösterreichischen Caritas-Seniorenwohnhauses Schloss Hall gibt es diesmal einen Adventmarkt. Seit Stunden ist es finster, trotzdem tummeln sich Menschentrauben mit Rollatoren und in Rollstühlen im Freien. "Schlafen können wir auch später" heißt das Motto der gut gelaunten und gar nicht müden Bewohner. Das Heim hat nämlich frühe Schlafenszeiten verbannt.

Während draußen die Menschen bei den Ständen plaudern und Kekse naschen, herrscht auch im Foyer des Hauses familiäre Atmosphäre. Bierbänke wurden aufgestellt, die Tische weihnachtlich geschmückt. Es wird gesungen.

"Das hat’s bei uns an jedem Heiligen Abend gegeben", erzählt ein Senior im Trainingsanzug , als ihm die Bratwürstel serviert werden. Mit kalten Händen, aber bestens gelaunt hat auch Margarethe Kerbl im Warmen Platz genommen. "Es ist eine Freude, dass man in diesem Alter noch so eine Pflege bekommt. Ich vermisse nichts", versichert die 94-Jährige. Sie gehe keinen Tag vor Mitternacht ins Bett, an den zwei Themenabenden pro Woche nehme sie gerne teil, versichert sie. Ihre Tischnachbarin Gertraud Zanggler, ("wie die Zange") ist bei den Abenden selten dabei. "Ich muss aus dem Rollstuhl heraus und mich durchstrecken. Aber ich lese bis Mitternacht Krimis, je wilder, desto besser", schildert die 76-Jährige.

Heim-Image

Die Würstel bekommen die beiden von der Leiterin des Seniorenhauses, Angelika Krallinger, serviert. Bei derartigen Veranstaltungen wie dem Adventmarkt müssen alle anpacken. "Bei uns läuft alles etwas anders. Wir beweisen, dass es geht. Mit demselben Personalschlüssel wie in anderen Häusern", sagt Krallinger. Die 74-köpfigen Belegschaft und die 25 ehrenamtlichen Helfer wollten das Bild von Seniorenheimen, wo am frühen Abend bereits Stille herrscht und die Menschen im Bett liegen, umdrehen. Und die Bemühungen wurden mit dem "Teleios 2017" ausgezeichnet. Der Preis steht für innovative Altenpflege.

Das alles sei nur eine Einstellungssache, sind sich Krallinger und ihre Aktivteam-Leiterin Andrea Kaltenböck einig. "Viele Bewohner wollen den Mitarbeitern nicht zur Last fallen", meint die Chefin des Hauses mit 108 Bewohnern. Bettpflicht oder Schlafmedikamente für den frühen Abend gibt es nicht. Also habe sie bei ihrem Antritt als Leiterin den Beginn des Nachtdienstes auf 20.30 Uhr verschoben.

Oktoberfest

Wegen der abendlichen Aktivitäten habe es auch ein verstärktes Zusammenwachsen mit den Bad Hallern gegeben. "Da sollten Sie da sein, wenn wir unser Oktoberfest mit der Bevölkerung feiern", erzählt Kaltenböck.

Tanz-, Kegel- oder Bingoabende lassen die Teilnehmern im Sommer schon einmal bis 22 Uhr nicht schlafen. Besonders beliebt sind die Küchenabende mit dem Spezialitäten zu diversen Anlässen oder aus verschiedenen Ländern. Auch Angehörige der Bewohner sind dazu willkommen. So wie die Kinder der Belegschaft oder der Volksschule. Manche innige Beziehung zu den "Reserve-Enkerln" gäbe es schon, erzählt Krallinger. Manche dieser Kinder sind mittlerweile Zivildiener im Pflegebereich geworden.