Chronik | Oberösterreich
24.12.2011

„Im Frühjahr mehr zu tun als zu Weihnachten“

Nicht zur Weihnachtszeit, sondern im Frühjahr gibt es bei der Telefonseelsorge in Linz die meisten Anrufe.

Zu Weihnachten ist die Sehnsucht nach Harmonie groß. Es ist aber  in der Realität oft nicht möglich, dass drei Tage lang alles gut ist“, sagt Silvia Breitwieser, die Leiterin der Telefonseelsorge in Linz. Die hohen Erwartungen an das Fest der Liebe würden oft enttäuscht. Deshalb wählen vor allem am Heiligen Abend und den darauf folgenden Feiertagen Menschen mit Beziehungsproblemen die Notrufnummer 142, um über ihre Sorgen  zu sprechen.

„Konflikte in allen Varianten, seien es Paarprobleme, Generationen-Streitigkeiten oder Schwierigkeiten mit den Kindern rücken in den Vordergrund.“

Generell seien die Probleme nicht sonderlich anders als unter dem Jahr. „Nur die Dimension ist  hier noch einmal eine ganz andere“, erklärt die Psychotherapeutin und Theologin.  „Viele haben zu dieser Jahreszeit einen erhöhten Anspruch, ihren Sehnsüchten nachzugehen.“


Gerade bei Menschen mit Beziehungsschwierigkeiten, psychischen Erkrankungen oder Trauernden kämen deshalb die Emotionen hoch. „Personen, die jemanden verloren haben, wollen  dann Erinnerungen austauschen.“

Jahresbilanz

Als weiteren Grund für die Krise vieler Menschen macht Breitwieser auch den bevorstehenden Jahreswechsel aus. Einige würden Bilanz über die vergangenen zwölf Monate ziehen, die dann aber nicht  rosig ausfalle.
Zwar haben die Profis von der Seelsorge, die rund um die Uhr erreichbar sind, zur Weihnachtszeit mehr zu tun als an durchschnittlichen Tagen. Allerdings: Das Fest der Liebe sei nicht der Zeitpunkt, bei dem die   meisten Menschen zum Telefonhörer greifen, um Rat zu suchen. Die Spitze an Anrufen bemerkt der  Notdienst im Frühjahr. „Wenn es jemandem sehr schlecht geht und draußen das Leben erblüht, geraten viele in eine große Krise.“

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