Chronik | Oberösterreich
18.06.2017

"Ich tat einen Spaziergang, den ich nie vergessen werde"

Unterwegs mit dem Pepimobil: Die Via Salis ist ein dreistündiger Wanderweg, der den Blick auf das gesamte Ausseerland freigibt

Die perfekte Einstimmung auf eine Wanderung in Altaussee ist ein Häferlkaffee auf der Terrasse eines Strandhotels. Die senkrecht abfallende Trisselwand spiegelt sich im See. Ein einsamer Schwan kräuselt leicht das glatte Wasser. "Die Landschaft hat viele kreative Menschen, Maler, Schriftsteller, Musiker inspiriert. Richard Strass hat hier seine Alpensymphonie komponiert. Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal nannten den See seiner anregenden dunkelblauen Farbe wegen "Tintenfass", berichtet die kundige Ausseerin Waltraud Zach. Sie stellt auch klar, dass das gerade vorbeifahrende Holzboot richtig "Plätte" heißt. Das Navigieren sieht einfacher aus. Wer diese Kunst nicht beherrscht, fährt lange im Kreis. Erhellende Informationen gibt es auch zur berühmten Ausseer Tracht: Von den Schuhen bis zum Hut wird alles von den eigenen Handwerkern im Ort erzeugt. Die Farben der Dirndlkleider sind ein Spiegel der Natur: Grün für den Leib kommt vom Wald, Rosa für den Rock von den Almrosen und das Lila der Schürze erinnert an den See.

Nach so viel Lokalkultur geht es in die Natur. Aus den zahlreichen Wanderrouten in der Region fällt die Wahl auf den acht Kilometer langen Salzweg, die Via Salis. Ausgangspunkt des dreistündigen Rundwegs ist das zentral gelegene Kur- und Amtshaus. Wir verlassen den Ort in westlicher Richtung. Idyllische Häuser mit Holzveranden werden durch blühende Wiesen abgelöst. Der Reiz der Landschaft nimmt den Wanderer gefangen. Immer wieder weisen Informationstafeln auf die reiche Vergangenheit der Region hin: Saumpfade der Römer, uralte Stollen und speziell den Salzabbau.

Einen besonderen Rundblick bietet die Aussichtsplattform "Glücksplatz" bei der Ruine Pflindsberg. Das ganze Ausseer Panorama vom Sandling bis zum Loser liegt vor dem Betrachter. Selbst der Dichter der Melancholie, Nikolaus Lenau, konnte dem Reiz dieser Landschaft nicht widerstehen und schrieb: "Aussee bleibt mir das Schönste. Ich tat einen Spaziergang, den ich nie vergessen werde." Vielleicht war er auch im Frühling unterwegs. Dann hätte er sicher auf der angrenzenden Schlosswiese die blühenden Stern-Narzissen bewundert. Wie ihr Name verrät, verwandeln diese Blüten das ganze Ausseerland in eine sternenreiche Himmelslandschaft. Die Freude an dieser Blütenpracht kulminiert beim jährlich zu Christi Himmelfahrt veranstalteten Narzissenfest. 3000 Personen beteiligen sich ehrenamtlich am Schmücken der Figuren für den Stadt- und Bootskorso. Sechs Millionen Narzissen werden so zum Kunstgegenstand für die Gäste.

Der Weg führt weiter zum 300 Meter höher gelegenen Moosberg und anschließend auf einem idyllischen Waldweg zum Steinberghaus. Hier können Besucher in langen Stollen das größte aktive Salzbergwerk in Österreich erkunden. Reines Steinsalz schimmert in beeindruckenden Farben an den Wänden. Es geht zur "Kammer des geronnenen Lichts", zur Barbara-Kapelle und über sportliche Bergmannsrutschen zum unterirdischen Salzsee. Gerade für Familien ein besonderes Erlebnis.

Die Via Salis führt durch Waldpfade und blühende Wiesen wieder ins Ortszentrum zurück. Das Salz wird uns weiter begleiten. Bekanntlich ist Salz die wichtigste Würze des Lebens. Ein japanisches Sprichwort sagt sogar: "Salz ist die ganze Welt."