Hoffnung im Carport-Streit

Mögliche Lösung im Streit um Mauer: R. bietet an, auf den Weiterbau zu verzichten und keine Fenster mehr zuzubauen.

Gibt es im kuriosen Nachbarschaftsstreit um ein Carport doch noch eine Lösung, mit der beide Seiten leben können? Karlheinz Petermandl von der Baurechtsabteilung des Landes Oberösterreich hatte zu einem Mediationsgespräch eingeladen, das sehr sachlich und ohne Untergriffe verlief.

"Wir sind uns zwar inhaltlich nicht nähergekommen, aber es war ein erster Schritt in die richtige Richtung", sagt Wilfried R., der in Reichenthal direkt vor dem Wohnzimmer und der Küche seiner Nachbarin Maria Weißenböck eine Mauer hochziehen ließ, die er für sein Carport benötigt. Die 77-jährige Witwe fühlt sich seitdem "zugemauert" und beklagt sich, dass sie in zwei Zimmern ohne Tageslicht auskommen müsse.

Walter Dobler, Weißenböcks Rechtsbeistand, sieht die Unterredung in der Baurechtsabteilung nicht so positiv. "Es ändert sich ja nichts am Ist-Zustand. Es war kein Thema, dass die Mauer wieder abgerissen werden soll."
Tatsache ist: R. räumte in dem Gespräch ein, dass er bereit sei, die oberen drei Fenster bei Weißenböcks Haus unangetastet zu lassen. Er hatte geplant gehabt, weiter auszubauen. "Ich kann mir vorstellen, meine Pläne zu stoppen, solange meine Nachbarin in dem Haus wohnt."

Für R. sei es allerdings unerlässlich, dass Weißenböck eine öffentliche Erklärung abgibt, in der sie anführt, nicht im Dunkeln zu sitzen. "Das stimmt nämlich nicht", meint R.. Dobler will heute, Dienstag, mit Weißenböcks Sohn Christian, einem Zahnarzt, die weitere Vorgehensweise besprechen.

R. wartet hingegen die Verhandlung am 6. Dezember ab. Er wurde ja geklagt, weil er Maria Weißenböck "das Recht auf Licht und Luft" weggenommen haben soll. "Ich werde es vorerst unterlassen, die Gegenseite zu klagen. Das wäre nämlich nicht gut für weitere eventuelle Gespräche zwischen uns", sagt R.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011