Der verdächtige Steirer soll seit Jänner in Braunau gewohnt haben

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Chronik | Oberösterreich
02/13/2017

Hitler-Double marschierte wieder: Polizei nahm Verdächtigen fest

Ein 25-Jähriger soll seit Tagen als Hitler-Imitator durch Braunau gegangen sein. Für ihn klickten am Montag nach einem Fernsehinterview die Handschellen. Er dürfte vor Monaten bereits in Graz und Wien einschlägig aufgefallen sein.

Als wäre die langwierige Debatte um die Nutzung von Hitlers Geburtshaus für die Braunauer noch nicht unangenehm genug gewesen, stolzierte seit angeblich gut zwei Wochen ein mutmaßlicher Hitler-Doppelgänger durch die Stadt. Der 25-jährige Steirer, der seit Mitte Jänner in der Innviertler Gemeinde gewohnt hatte, suchte offenbar zwanghaft die Aufmerksamkeit, die ihm Medien rund um die Welt schenkten. Beim „Vorstadt Imbiss“ von Silvia Rauber ist der Mann am Montag kurz vor Mittag erneut gesichtet worden, als er mit ein paar Männern stadteinwärts gegangen ist. Auf dem Weg liegt Hitlers Geburtshaus.

Offenbar hatte es der Mann am Nachmittag schließlich übertrieben. Die Staatsanwaltschaft Ried ordnete am Abend seine Festnahme an. „Ich bin informiert worden, dass er am Nachmittag einem TV-Sender ein Interview gegeben hat. Und er wollte sich offenbar noch mit einem Fotografen treffen, um Bilder zu machen“, sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Alois Ebner. Nach der Einvernahme soll der bisher unbescholtene Steirer in die Justizanstalt Ried überstellt werden. Ebner kündigte bereits an, dass die Staatsanwaltschaft die U-Haft beantragen wird.

Braunaus Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) zeigte sich am Montagnachmittag naturgemäß wenig erfreut über den ungebetenen Störenfried. „Solche Aktionen konterkarieren die Aktivitäten der Stadt bei der Aufarbeitung der Geschichte“, meinte Waidbacher, der eine gewisse Ratlosigkeit durchblicken ließ. „Man kann nicht wirklich etwas tun“, sagte Waidbacher.

Sein Vize, Christian Schilcher (FPÖ), hätte den Hitler-Imitator einfach ignoriert, wäre es nach ihm gegangen. Er vermutete ein „zeitlich begrenztes Phänomen“. „Ich würde ihm gar nicht die mediale Aufmerksamkeit geben. Dann erledigt sich das von selbst“, meinte Schilcher. Er könne sich auch vorstellen, dass es sich um einen Provokateur „vom linken Rand“ handeln könnte.

Davon gingen die Ermittler jedenfalls nicht aus. „Wir haben ihn angezeigt wegen Wiederbetätigung. Nicht wegen des Barts, nicht wegen des Scheitels, sondern wegen des Gesamtauftritts und der Verherrlichung des NS-Regimes“, sagte Oberösterreichs Polizeisprecher David Furtner.

Laufendes Verfahren

Da gegen den 25-jährigen Steirer bereits ein Ermittlungsverfahren in Wien anhängig ist, dürfte der Akt bald an die dortige Staatsanwaltschaft übergehen werden. Auch in Graz soll der Mann schon einschlägig aufgefallen sein – im Mai wurde er bei einer Pegida-Demonstration von Polizisten abgeführt. Strafrechtliche Konsequenzen gab es damals keine.

Schon vor einigen Tagen hat das Double, das als „Harald Hitler“ vorstellig geworden sein soll, in der Bar gegenüber des Geburtshauses ein „österreichisches Mineralwasser“ bestellt, bestätigt Besitzer Holger Pommrich. „Wir haben ihm das Gefühl gegeben, dass er nicht willkommen ist – in der Hoffnung, dass er wieder geht“, schildert Pommrich. Der Mann habe ausgetrunken, gezahlt und sei wieder gegangen. Am Würstelstand am Stadtplatz versuchte man es am Montagnachmittag mit Galgenhumor. „Lebt er wieder?“, fragte ein Mann scherzhaft.