Chronik | Oberösterreich
08.10.2017

Hintergebirge: Almrunde mit Hirschkonzert

Von der Ebenforst- über die Schaumbergalm zum Hirschkonzert auf der Blumaueralm.

Ganze 20 Kilometer sind es, die von Molln in südlicher Richtung in den Bodinggraben führen. Der Name des Ortes weist auf die Landschaftsform ähnlich einem Bottich nahe an den Nordhängen des Hohen Nock hin. Hier beginnt eine erlebnisreiche Hüttenrunde.

Erstes Ziel ist die urige Ebenforstalm. Die im Jahr 2017 zum Weltnaturerbe erklärten Buchenwälder begleiten den Wanderer. Fast während des ganzen einienhalbstündigen Aufstiegs kann sich das Auge an den prächtigen, sonnendurchfluteten Buchen erfreuen. Nach 43 Jahren als Installateur hat der Hüttenwirt Kurt als Quereinsteiger gerade seine erste Saison als Hüttenwirt verbracht. Mit Erfolg, wie an den zahlreichen Wander- und Bikegästen zu sehen ist.

Der Heidelbeer-Topfenstrudel schmeckt hervorragend. Der Almwirt freut sich schon auf das nächste Jahr. Neben den 35 Jungrindern wird es auch Milchkühe auf der weitläufigen Alm geben. Da heißt es dann "melken, buttern, kasen". Noch ein Blick zu den glücklichen Mangalitza-Schweinen, deren schwarzen Locken in der Sonne glänzen. Dann geht es weiter zur Schaumbergalm.Sportliche Wanderer können unterwegs noch von den Gipfeln des Trämpl und des Alpstein die Aussicht auf das Sengsengebirge genießen.

Wieder im Tal angelangt, geht es der Krummen Steyrling entlang bis zur Abzweigung in Richtung Blumauer Alm. In diesem wohl schönsten Talschluss des Nationalparks Kalkalpen findet im Frühherbst ein besonderes Konzert statt. Die Hirsche erfüllen mit ihren Brunftschreien das ganze Tal.

Der Nationalpark-Ranger Michael Kirchweger kennt die Gegend wie seine Westentasche. "Während das ganze Jahr über die Hirschkühe mit ihren Kälbern in Familienverbänden unter sich bleiben, bringen die Hirsche zur Paarungszeit lautstarke Unruhe in das einsame Tal." Kein Wunder, denn das Röhren klingt mitunter wie das Brüllen eines Löwen. Ein sehr erregtes Tier kann bis zu 500 Schreie pro Minute ausstoßen. Damit wollen sie ihre Konkurrenten auf Distanz halten und um die weiblichen Tiere werben. Auf der Blumaueralm lässt sich dieses Spektakel mit Blick auf den steilen Gegenhang wie in einem Freiluftkino bestens beobachten. Da diese Region Wildruhezone ist, fällt dort das ganze Jahr kein Schuss. Wildtiere werden vertrauter und sind dem Besucher gegenüber weniger scheu.

Wieder auf dem Weg zurück werden die markanten Rufe leiser, bis sie gänzlich verstummen und nur mehr das Plätschern des Baches zu hören ist. Auch in Zukunft wird man hier staunend dieses Naturschauspiel erleben können und der Spruch "Dem Jäger ist die Pirsch verhasst, wenn schlafend er den Hirsch verpasst" wird ein Schüttelreim bleiben und nicht jagdliche Realität werden.

Autor: Josef Leitner