Bischof Ludwig Schwarz zieht eine positive Bilanz seiner Arbeit in der Diözese. Er selbst ist um zehn Kilogramm abgeschlankt.

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Ludwig Schwarz
06/28/2014

"Hier wird Neues angegangen"

Der Linzer Bischof feiert heute um 15 Uhr im Dom sein 50-jähriges Priesterjubiläum.

von Josef Ertl

Ludwig Schwarz ist seit 2005 Bischof der Diözese Linz. Der 74-Jährige war zuvor unter anderem Weihbischof in Wien (2001–2005), Direktor der Päpstlichen Missionswerke (1999–2005) und Professor an der Salesianeruniversität in Rom (1985–1999). Die Familie wurde zu Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem Raum Bratislava vertrieben, weil sie deutschsprachig war. Sie wurde in einer Baracke im dritten Weiner Gemeindebezirk untergebracht, in der zuvor Kriegsgefangene einquartiert waren. Hier kam er auch in Kontakt mit den Salesianern Don Boscos, denen er später beigetreten ist. Er lernte hier unter anderem den späteren Bundespräsident Thomas Klestil und den Musiker Joe Zawinul kennen. Schwarz wuchs unter sehr armen Verhältnissen auf.

Papst Franziskus hat Schwarz in einem zweieinhalbseitigen, in Latein abgefassten Brief zum Jubiläum gratuliert. Schwarz gehört als Lateinexperte der vatikanischen Kommission zur neuen Übersetzung der Bibel ins Deutsche an.

KURIER: Sie wurden 1964 zum Priester geweiht. Das war die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils, eine Zeit des Aufbruchs.

Ludwig Schwarz: Es gab in den Jahren sowohl einen wirtschaftlichen wie auch einen kirchlich-religiösen Aufbruch. Das Zweite Vatikanische Konzil war für die ganze katholische Kirche, im Besonderen auch für unsere Diözese Linz eine Zeit, in der eine echte Erneuerungs- und Aufbruchsstimmung spürbar wurden.

Als Studenten der Theologie haben wir damals nach Rom geschaut und uns oft mit Inhalt und Geist des Konzils befasst.

Hat das Konzil Ihren Entschluss, Priester zu werden, beeinflusst?

Es hat mich sicher beeinflusst, weil eine modernere und tiefere Sicht der Kirche und der theologischen Wahrheiten vermittelt wurde. Der Entschluss, mit Gottes Gnade diesen Weg zum Priestertums zu gehen, wurde von mir aber schon viel früher gefasst. Schon in meiner Zeit als Ministrant und als Gymnasiast dachte ich wiederholt daran.

Sie sind der Erstgeborene von neun Schwestern und Brüdern. Früher war es ja häufig, dass der Erstgeborene Priester wird.

Von Seite meiner Familie hat mich niemand gedrängt oder beeinflusst. Wir lebten aber zu Hause in einer christlichen Atmosphäre. Dieses Ambiente von Gebet, Kirchgang, Ministrieren und familiärer Stimmung spielte eine bestimmte Rolle, sodass in mir der Wunsch wach wurde, Priester zu werden. Ich sprach darüber mit meinem Kaplan unserer Pfarre, der mir half, die weiteren Schritte in diese Richtung zu tun.

Der Phase des Konzilsaufbruchs folgte nach der Ablehnung der Aufhebung des Zölibats eine Zeit der Enttäuschung. Viele Priester kehrten der römisch-katholischen Kirche den Rücken. Wie haben Sie das damals empfunden?

Ich habe es als schmerzlich empfunden, dass in diesen Jahren Priester immer wieder ihr Amt niedergelegt haben. Das hat mir persönlich auch wehgetan. Wer aber als Priester den Weg in Verbundenheit mit Gott geht, erhält auch die Gnade, dass er der Berufung treu bleibt. Mit Gottes Hilfe bin ich diesen Weg nun schon 50 Jahre gegangen.

Hat es für Sie nie Phasen des Zweifels gegeben?

Dass vereinzelt Zweifel gekommen sind, war sicherlich auch der Fall. Aber sie haben meine Grundentscheidung und meinen Weg zum Priestertum nicht erschüttert. Außerdem war ich vor meiner Priesterweihe bereits in den Orden der Salesianer Don Boscos eingetreten. Wenn man in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten lebt, trägt das einen und lässt einen durchhalten, auch wenn manche Dinge anders werden. Mit mir sind damals in Benediktbeuern (Oberbayern) weitere 25 Salesianer zu Priestern geweiht worden.

Seit Jahren ruft die Kirche die Menschen auf, für Priesterberufungen zu beten, gleichzeitig wird die Priesterzahl in Europa immer kleiner. Man könnte mit jenen, die wegen des Zölibats den Priesterberuf an den Nagel gehängt haben, alle vakanten Pfarrerstellen besetzen.

Nein, das wird wohl nicht gehen.

Wie kann man dem Priestermangel begegnen?

Das Wichtigste für geistliche Berufe ist wohl eine religiöse Atmosphäre in unseren christlichen Familien. Wenn die Gottes- und Nächstenliebe gelebt wird, wenn gebetet wird, wenn ein Klima christlicher Art da ist, dann wachsen durch Gottes Gnade geistliche Berufe.

Sie haben als eine Möglichkeit, den Priestermangel zu beseitigen, die Einführung von viri probati (bewährten, verheirateten Männern, Anm.d.Red.) angesprochen.

Das wäre eine Möglichkeit, aber darüber müsste ein Konzil eine klare Entscheidung treffen. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil gibt es die Möglichkeit, dass auch verheiratete christliche Männer zum Diakon geweiht werden können, wenn sie die notwendigen Voraussetzungen erbringen. Diese Diakone sind in unseren Pfarren eine große Hilfe. Sie können an der Seite des Pfarrers in der Seelsorge mitwirken. Sie können das Wort Gottes verkündigen (Predigen), sie können das Sakrament der Taufe spenden, der krichlichen Trauung assistieren und kirchliche Begräbnisse leiten.

Sie werden nächstes Jahr 75. Laut Kirchenrecht müssen Sie Ihren Rücktritt einreichen. Was wollen Sie in dem einen Jahr in der Diözese noch umsetzen?

Ich bin im 75. Lebensjahr, das ist eine Zeit des Innehaltens. Man schaut zurück und wird nachdenklich. Man dankt Gott. Ich danke auch den Menschen, die mir nahestehen und Gutes getan haben. Das sind vor allem die Eltern und die Geschwister und die vielen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in unserer Diözese.

Ja, ich werde dem Papst nächstes Jahr meinen Rücktritt anbieten. Er kommt darauf an, wann er ihn annimmt.

Dieses vorläufig letzte Jahr ist für mich ein normales Jahr, in dem ich als Bischof so weiterarbeite wie bisher.

Die Diözese Linz hat den Ruf, dass sie rebellisch ist.

Der Oberösterreicher ist ein anderer Mensch als zum Beispiel der Niederösterreicher. Er ist geradlinig und ehrlich. Er hat sein Konzept und seinen Standpunkt, den er auch verteidigt. Aber letztlich ist er immer bereit, sachlich über Probleme oder Auffassungsunterschiede zu reden. Er ist arbeitsam und hilfsbereit.

Die Oberösterreicher bringen ihre Fähigkeiten ein, leben ihre christliche Überzeugung und arbeiten fleißig. Ich habe deshalb viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unserer Diözese.

Wie sind die Niederösterreicher?

Die Wein- und Industrieviertler sind anders. Sie sind in der Einstellung traditioneller, im guten Sinn, während hier auch Neues gesehen, gesucht und auch angegangen wird.

Sind die Oberösterreicher progressiver?

Ich würde sagen, sie sind aufgeschlossener. Ich bin gerne hier in der Diözese und habe viele gute Mitarbeiter. Es ist mir ein Anliegen, mit den einzelnen Gremien und Räten gut zusammenzuarbeiten. In unserer Diözese gibt es verschiedene Räte, die dem Bischof helfend zur Seite stehen. Zum Beispiel den Pastoralrat, den Priesterrat, die Dechantenkonferenz, das Konsistorium und den Wirtschaftsrat. In diesen Gremien behandeln wir die anfallenden Anfragen, Aufgaben und Probleme, die für den guten Fortgang der Diözese einer Lösung bedürfen.Wir als Kirche und als Diözese Linz leben nicht abgesondert von der Welt, sondern mitten in ihr. Es ist uns ein Anliegen, die Menschen in Freude, Sorge und Leid zu begleiten. Ich bin allen dankbar, die im Geist des Evangeliums arbeiten und helfend auf die Menschen in deren Nöten zugehen.

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