Chronik | Oberösterreich
11.03.2018

Herausforderung: Mehr als 400 neue Polizeischüler in zwei Jahren

Landespolizeidirektor Pilsl schwärmt von "Traumjob" und verteidigt die neue Bereitschaftseinheit.

Verglichen mit der Wirtschaft würde man die eingeschlagene Linie wohl als Expansionskurs beschreiben. Für Oberösterreichs Polizeiapparat sind organisatorisch und infrastrukturell entscheidende Zeiten für das Sicherheitsgefüge im Land angebrochen. Großinvestitionen wie der Bau der neuen Landeseinsatzzentrale und der Wettlauf am Arbeitsmarkt um Personal sind herausfordernde Aufgaben für Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und sein Kommando.

Im vorigen Sommer vom jetzigen Vizekanzler HC Strache ( FPÖ) im Zusammenhang mit dem Urfahraner Doppelmord und aufgedeckten Sympathien zum IS-Terror des mutmaßlichen Täters noch zum Rücktritt aufgefordert, ist Polizeichef Pilsl derzeit auf etliche Großprojekte fokussiert. "Das ist ausgeräumt, es gab klärende Gespräche. Der Hass des Verdächtigen hatte zu Irritationen geführt", klärt Pilsl auf. Im Herbst 2017 wurde er selbst als OÖ-Polizeichef wieder bestätigt.

Rekrutierung

In seiner 30-jährigen Tätigkeit als Polizist habe er die Berufswahl "keinen einzigen Tag bereut", erklärt er sein kürzlich platziertes Twitter-Werbeposting "#Traumjob Polizist". In keinem Beruf gäbe es mehr Entfaltungsmöglichkeiten, meint er. Um die bei der Polizei anstehende Pensionierungswelle und die notwendige Personalaufstockung zu bewältigen sei man sehr gefordert.

200 neue Polizeischüler heuer und mehr als 200 im nächsten Jahr sind in OÖ das Ziel. 372 befinden sich derzeit in Ausbildung. "Derzeit bekommen wir unser Personal noch in der gewünschten Qualität", versichert Pilsl.

Polizeischule

Damit das so bleibt, setze man ein Bündel von Maßnahmen. "Vom Start weg wird sich die Polizei dem Bewerber attraktiver präsentieren. Künftig wird er binnen zwei Monaten erfahren, ob er genommen wird oder nicht", schildert der Polizeichef. Tätowierungen sind keine grundsätzliche Hürde mehr.

Mehr Polizeischüler erfordern mehr Lehrer und Lehrsäle. 15 zusätzliche Schulräume und 90 Polizeipädagogen werden benötigt, schildert Pilsl die zweite Seite der Medaille. Die Lehrer müssen auf den oö. Inspektionen rekrutiert werden. "Das Ministerium prüft das derzeit", kommentiert er KURIER-Informationen, dass in Wels neben Linz ein zweites Schulzentrum kommen soll.

Stein und Bein schwört Pilsl auf die im Juli 2017 in Linz stationierte über 50-köpfige Bereitschaftseinheit. "Die sinnvollste und innovativste Sache, die wir in den letzten Jahren eingeführt haben", lobt er Effizienz und Einsatzflexibilität des neuen Kommandos. An Gerüchten, die Einheit stünde vor der Auflösung, weil die Mitglieder auf den regionalen Inspektionen fehlen, dementiert er heftig. Die Einsatzbilanz mit 215 Schwerpunktaktion, 6400 Identitätsfeststellungen, 2930 Personendurchsuchungen, 260 Suchtgiftanzeigen oder 58 Festnahmen, spreche für sich. "Jeder der dieses System anzweifelt hat, keine Ahnung", erklärt Pilsl. Mit der Bundespolitik zufrieden zeigt sich der Landeskommandant nicht nur wegen der Umsetzung des Sicherheitspakets mit optimierter Videoüberwachung und mit der Chance, Kriminelle im Internet zu belauschen Auch die Investitionen in OÖ seien vielversprechend. Neben dem bald in Bau befindlichen Trainingscenter in Sattledt um 14 Mio. Euro ist der Architektenwettbewerb für die Landesleitzentrale in der Linzer Gruberstraße abgeschlossen. Pilsl rechnet für 2019 mit dem Baustart. Die Zentrale soll im Krisenfall autark und vor Attacken geschützt sein. Von hier sollen künftig alle Einsätze vom Streifendienst bis zur Staatspolizei koordiniert werden.